Bildteppich mit Johannes dem Täufer

Südliche Niederlande oder Ferrara, letztes Viertel des 15. Jhs.
Wolle und Seide, 113 x 63 cm
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Ercole d´Este

Lucrezia Borgia

Ferrara

Im ausgehenden 15. Jahrhundert herrschte Ercole I d´Este über Ferrara, Modena und Reggio. Dank seiner umsichtigen Herrschaft blühten die Herzogtümer wirtschaftlich und kulturell auf. Der Herzog war mit Eleonora von Aragón verheiratet. Der Ehe entstammten sechs Kinder, darunter die spätere Musenfürstin des Hofes von Mantua, Isabella d´Este. Alfonso, der erstgeborene Sohn, übernahm 1505 den Herzogtitel von seinem Vater. Seine Gemahlin Lucrezia entstammte übrigens der berüchtigten Familie der Borgia. Ihrem Ruf wurde sie in Ferrara allerdings nicht gerecht; Adel, Volk sowie Künstler verehrten Lucrezia, vor allem Herzog Alfonso war ihr in großer Liebe zugetan.

Kunst des Webens

Schmuck

und Komfort

Im 11. Jahrhundert stieg die Nachfrage nach gewirkten Wandteppichen in Europa stark an, was sich wiederum auf die Produktion und deren Qualität positiv auswirkte. Es entstanden viele kostbare Werke mit bildlichen Motiven. Wie in früheren Herrscheraulen schmückte man nun Kirchenräume mit figürlichen Bildteppichen. Weltliche Wandteppiche dagegen zeigten höfische Szenen bzw. Ausschnitte aus den Dichtungen der Troubadoure und gehörten zum unverzichtbaren Reisegepäck der Fürsten. In Truhen verpackt wurden sie auf Wagen oder Zugtiere verladen, um dem Reisenden unterwegs die nackte Mauer zu bekleiden, ihn mit Wärme und mit der vertrauten Bildwelt zu umgeben.

Schafe

Wolle

Spindel und Rocken

Wirkteppiche wurden in der Regel aus Wollgarn gewebt. Wolle ist ein Rohstoff, der vom Schaf gewonnen, gewaschen, gekämmt und dann zu Garn gesponnen wird. Im frühen Mittelalter erfolgte das Spinnen noch mühsam von Hand mit Hilfe eines Spinnrockens und einer Spindel. Erst Ende des 13. Jahrhunderts kam das Spinnrad in Gebrauch. Die Wollverarbeitung wurde meistens von Frauen vorgenommen, wie auch das Weben seit der Antike eine typische Frauenarbeit war, wie uns auch Homers Odyssee lehrt, in der Penelope, die Frau des Odysseus, ein Totentuch für ihren Schwiegervater Laërtes webt, oder die unglückliche Weberin Ariadne, die Athene zum Wettstreit herausfordert. Doch das ist eine andere Geschichte.