Ignaz Günther

Zwei fliegende Putten
Um 1765
Lindenholz, Reste der originalen Fassung, Länge c. 75,5 und 81,5 cm
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Das Ludwigsfest

München 1888

Ein großes Jubiläum

Im Jahr 1786 kam in Straßburg Ludwig Karl August von Wittelsbach zur Welt. 1825 zum König von Bayern gekrönt, war Ludwig I ganz dem Zeitgeist des Klassizismus verpflichtet und ein glühender Verehrer des antiken Griechenlands. Dies spiegelt auch die architektonische Umgestaltung der bayrischen Hauptstadt wieder, bis heute charakteristisch für München. Ludwigstraße mit Universität, Ludwigskirche, Feldherrenhalle, Siegestor, Königsplatz mit historisierenden Bauten, die Alte Pinakothek und viele mehr entstanden unter Ludwigs Regierung. Auch als Förderer der Künste und der Wirtschaft kommt ihm eine große Bedeutung zu. Bereits für 1886 war die Centenarsfeier geplant, aber aufgrund des unglücklichen Todes Ludwigs II auf 1888 verschoben. Die Stadt München wollte durch diese Feier Dank für das „Schöne und Große“ ausdrücken, womit König Ludwig die Stadt „überreich“ beschenkt hatte, wie ein zeitgenössischer Publizist bemerkte.

Firma Radspieler

Königliche Träume

Orient in Bayern

Die Firma Radspieler, die den Wagen der Vergolder mit historischen Engeln schmückte, gehörte zu den führenden Handwerksbetrieben der Residenzstadt. Für König Ludwig II fertigte sie den Thronsessel, war aber auch an den Arbeiten für den Wintergarten in orientalischem Stil über dem Hofgartentrakt der Residenz beteiligt. Ab 1867 schrittweise geplant und mehrfach vergrößert, entstand schließlich eine 80 Meter lange Anlage, für die Hofgarteninspektor Carl Effner verantwortlich war. Ein großer See mit Ruderboot, begehbare Staffagebauten unter Palmen und tropischen Pflanzen schufen eine exotische Atmosphäre, in der sich Ludwig II. in fremde Länder träumen konnte. Der Wintergarten wurde nach dem Tod Ludwigs aufgegeben, die Reste der Anlage auf dem Dach der Residenz im 2. Weltkrieg von Bomben zerstört.

Putten

Glückliche Kinder

Im himmlischen Raum

Die beiden Putten, die Ignaz Günther wohl für die Kapelle der Familie Knöbl geschaffen hat, sind lebensnah dargestellte kleine Mädchen:  Nur die Flügel weisen auf ihre himmlische Zugehörigkeit hin. Ihre wohlgenährten Kinderkörper, die runden, pausbäckigen Gesichter, verkörpern ein typisches Kindchenschema, das den Betrachter an seine eigene Kindheit oder seine eigenen Kinder erinnert, ihm ein Lächeln entlocken und froh zu stimmen vermag. Kindliche Figuren wie die beiden Putti symbolisieren eine Leichtigkeit, die im Gegensatz zu der ernsten Heilsbotschaft der Kirche steht. Putten wurden übrigens nicht von der katholischen Kirche erfunden, sondern sind bereits seit der Antike bekannt. Dort stellten Knabenfiguren den Liebesgott Amor oder Cupido dar.