Madonna und Kind

Franken oder Böhmen, zweites Viertel des 14. Jahrhunderts
Lindenholz mit alter Farbfassung und Vergoldung, Höhe 96 cm
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1330

Elisabeth von Böhmen

In Prag steht ein Machtwechsel bevor

Seit dem späten 9. Jahrhundert herrschen in Böhmen die Premislyden. Die letzte Premislydin ist Elisabeth, die 1310 Johann von Luxemburg in Speyer heiratet. Als sie 1330 stirbt, erlischt das Geschlecht. Königin Elisabeth findet ihre letzte Ruhe in der Familiengrablege im Kloster Zbrazlav, Prag.

1347

Böhmen erblüht

Das „Rom des Nordens“

Als unsere Madonna entstanden ist, bahnte sich in Europa eine neue künstlerische Formensprache an, der sogenannte „Weiche Stil“, auch internationale Gotik genannt. Typisch für die Plastik sind eine zunehmende Dreidimensionalität sowie anmutig und lieblich gestalteten Gesichter der Marienfiguren. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Ein Grund ist die Wahl Karls von Luxemburg zum römisch-deutschen Kaiser: Karl wächst am Hof des Louvre in Paris auf und ist hoch verfeinert. 1364 wird der äußerst polyglotte Luxemburger (er spricht französisch, italienisch, deutsch und tschechisch) zum römisch-deutschen Kaiser gewählt, Regierungssitz ist Prag. Die Hauptstadt Böhmens baut der Kaiser zum künstlerischen Zentrum Mitteleuropas aus. Auf den großen Handelsstraßen der West-Ost Achse reisen nun bedeutende Künstler nach Böhmen.

15. Jahrhundert

Die Goldene Straße

Weg des Reichs

Kaiser Karl IV verstärkt die Verbindung zwischen seinen böhmischen Stammlanden und der Heimat in Luxemburg. Dies gelingt ihm durch den Ausbau der sogenannten „Goldenen Straße“. Die Reichsstraße führte über die Reichsstädte Nürnberg und Frankfurt. Eine entscheidende Rolle spielten übrigens auch die steinernen Brücken (err. 1135 und 1276), die den Weg über die Donau respektive Main erlaubten. Kaufleute ziehen in die Städte, der kulturelle und künstlerische Austausch wird erleichtert.

1348

Wissensmetropole Prag

König Karl zieht die klugen Köpfe Europas nach Prag

Dank der Bulle von Papst Clemens VI. und dem Stiftungsbrief von Karl, König von Böhmen, kommt es zur Gründung der Karls-Universität in Prag, der ältesten Universität Mitteleuropas. Nach dem Vorbild der Pariser Universität war sie in vier Fakultäten unterteilt, darunter Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin und Philosophie.