Paar Reliefs mit der Verkündigung an Maria

Südliche Niederlande, 1510/20,
Alabaster mit originaler Teilfassung und –vergoldung, jew. 28 x 28 cm
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1410-1420

Farbpracht des Mittelalters

Schönheit im Buch

Als die beiden kunstvollen Reliefs entstanden, schufen die Brüder Limburg das bedeutendste illuminierte Manuskript dieser Zeit, die „Très riches heures du Duc de Berry“ (1413-1416, Musée Condé, Chantilly), das Stundenbuch (Gebetbuch) des Herzogs von Berry. Es ist ein einzigartiges Denkmal der Buchmalerei. Niederländische, burgundische und italienische Stileinflüsse wirken hier zusammen. Die ganzseitigen, prachtvollen Monatsbilder halten das Leben der Bauern und des Adels fest. Heute bezaubern sie durch ihre präzise Detailschönheit und bieten einen Blick auf eine längst vergangene Epoche.

Architekturformen

Geometrie und Kunst

Was ist ein Vierpass

Der Vierpass ist ein Ornament der Romanik und Gotik, das in der Architektur, aber auch in der Glasmalerei und der Skulptur Verwendung findet. Er besteht üblicherweise aus vier Kreisbögen mit gleichen Radien, die einem Kreis eingeschrieben sind. In der Spätgotik entstehen formale Varianten. So zeigen die beiden Reliefs der Verkündigung die besondere Form eines liegenden Vierpasses mit den Spitzen eines Quadrates. Es ist denkbar, dass die Reliefs in einer Hauskapelle in der Wand eingelassen waren.

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Maria und der Engel

Er kommt immer von links

In der „Verkündigung“ nähert sich der Engel Maria immer von links. Das hängt mit der abendländischen Leserichtung zusammen, die auch für bildhafte Darstellungen gilt: Handelnde Personen kommen auf mittelalterlichen Bildwerken deshalb aus dieser Richtung. Von der genannten Regel wird kaum abgewichen. Auch die Meister späterer Kunstepochen folgen nahezu ausnahmslos der uralten Bildtradition, nach der sich der Engel von links auf Maria zubewegt.