Prunkrahmen

Flandern (Antwerpen), um 1550-70
Eiche, spätere Fassung, 156 x 90 cm
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Schönheit

in unruhigen Zeiten

Macht und Religion

Das prunkvolle Stück entstand in sehr unruhigen Zeiten. Bedingt durch die Konflikte zwischen den katholischen Habsburgern, insbesondere der strengen Herrschaft Philipps II., und den vom Reich losgelösten protestantischen Niederlanden, kam es 1568 zum achtzigjährigen Krieg, der erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden endete. Antwerpen gehörte im 16. Jahrhundert zu den größten Städten der Welt, war dank des Flusses Schelde die reichste Handelsstadt Europas und ein bedeutendes kulturelles Zentrum. Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen kam es zum Niedergang der reichen Stadt. Der Öffnung Antwerpens zum Protestantismus wurde 1585 durch die Eroberung des spanischen Statthalters Alessandro Farnese ein gewaltsames Ende gesetzt.

Zauber der Antike

Vermeintliche Höhlen

Domus Aurea

Der große, architektonisch gegliederte Rahmen ist mit sogenannten Grotesken reich verziert. Dieser Dekorationsstil, der Pflanzenranken, Fruchtschnüre, Bänder, phantastische Menschen- und Tierfiguren miteinander kombiniert, geht auf antike Vorbilder zurück: Ende des 15. Jahrhunderts entdeckte man in den verschütteten Thermen des Kaisers Hadrian und in den zur Zeit Neros angelegten unterirdischen Gewölben im „Goldenen Haus“ am Esquilin in Rom reiche Wandmalereien. Fasziniert von diesem Formenreichtum kopierten Künstler, wie Raffael und Giulio Romano, die Dekorationen, die sie in den vermeintlichen Höhlen fanden. Von „grotta“, Höhle, leitet sich auch der „Groteske“ genannte Ornamentstil ab. Cornelis Floris brachte es bei der Rezeption dieses Stils zu einer großen Meisterschaft und erstellte Ornamentstichfolgen, die weite Verbreitung fanden (Florisstil).

Konstruktion

Dekor

Bildrahmen

Ein Rahmen dient einerseits der räumlichen Einfassung eines Bildes, andererseits hat er eine praktische Funktion: Der architektonische Aufbau dient dem Schutz und ermöglicht eine Fixierung an der Wand. Trägermaterialien sind vor allem Holz, Marmor und Metall. Die Gestaltung des Rahmens war im Lauf der Jahrhunderte den jeweiligen Zeitstilen unterworfen. Ursprünglich im sakralen Kontext Altar- und Kirchenbildern einfassend, kamen Rahmen im ausgehenden Mittelalter auch im weltlichen Umfeld zum Einsatz und wurden zu prachtvoll verzierten, architektonischen Formenschöpfungen, die dem Wert des einrahmenden Bildes in nichts nachstanden.