Spielstein mit der Fabel vom Fuchs und dem Storch

Nordfrankfreich, Anfang 12. Jh.
Walrosszahn, D. 5,8 cm
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Walrossbein

Wikinger

Unser Spielstein

Charakteristisch für die vorranging auf der Nordhalbkugel lebenden Walrösser sind ihre beeindruckenden, bis ein Meter langen Stoßzähne, auch als Walrosselfenbein bezeichnet. Für die dort heimischen indigenen Völker war das Walross als Lebensgrundlage seit jeher von großer Bedeutung. Das Walrossbein nutzten sie auch zur Herstellung dekorativer Objekte, wie z.B. Schmuck oder Kämme. Um 500 n.Chr. wuchs die Nachfrage nach dem Rohstoff auch in Westeuropa stark an, da das Byzantinische Reich Elefantenelfenbein hauptsächlich selbst verwertete. Die Wikinger stellten die Warenkette aus dem Norden her. Als nach der Eroberung Nordafrikas durch die Muslime im 8. Jahrhundert die Lieferungen aus dem Orient aber schließlich ganz ausblieben, wurde im angelsächsischen und nordeuropäischen Raum nun fast ausschließlich Walrossbein für feine Schnitzarbeiten verwendet, so wie auch bei unserem Spielstein.

Ademar

Aesops Fabeln

Martial von Limoges

Eine der frühesten erhaltenen Bilderhandschriften der Fabeln des Aesop schuf der Benediktinermonch Ademar von Chabannes (989 – 104)3 um 1025 in Limoges. Besonders trat Ademar jedoch als Chronist in Erscheinung, wobei Objektivität nicht seine Stärke war. Selbst vor Fälschungen schreckte der Mönch nicht zurück, um die Zeitläufte seinen Vorstellungen anzupassen. Sankt Martial, im 3. Jahrhundert Bischof von Limoges, war ein über die Stadtgrenzen hinaus prominenter Heiliger. Ademar machte aus ihm darüber hinaus den 13. Apostel Christi und schrieb eine Biographie, in der er das Leben Martials entsprechend früher datierte. Er behauptete, der Autor sei Bischof Aurelian von Limoges. Ademar spann sein Lügenkonstrukt weiter und erfand noch ein Konzil von 1031, das den Status Martials bestätigte. Außerdem fälschte er einen päpstlichen Brief, der Martials Biographie und das Konzil für wahr erklärte.

Mensch und Spiel

Alfons X

Savonarola

Das Spiel gehört seit frühesten Zeiten zu den Zerstreuungen des Menschen. König Alfons X von Kastilien und Léon befasste sich theoretisch mit diesem Phänomen und schrieb im Jahr 1283 ein Buch namens „Juegos diversos de Axedres, dados y tablas“. Hier finden alle typischen Spiele der Zeit Erwähnung, darunter auch Brettspiele, als vornehmstes nennt er Schach. Aber nicht alle schätzten das Spiel, manche sahen darin sogar Sünde, wie der Dominikanermönch Savonarola (1452-1498) oder der päpstliche Inquisitor Johannes von Capistrano (1386-1456). Sie ließen Spielbretter, Karten und Würfel auf dem Scheiterhaufen verbrennen.