Tilman Riemenschneider, zugeschr.

Christus am Kreuz
Anfang 16. Jh., Obstholz, 24 x 22 cm
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Riemenschneider

Bürgermeister

Freiheitskämpfer

Tilman Riemenschneider (1460-1531) gehört nicht nur zu den großen Künstlern seiner Zeit, er übte als Bürgermeister der Stadt Würzburg auch ein bedeutendes politisches Amt aus und scheute sich nicht, als Freiheitskämpfer im deutschen Bauernkrieg (1524-1526) seine Stellung und sein Vermögen aufs Spiel zu setzen. Bis heute faszinieren die Werke des fränkischen Bildschnitzers durch ihre hohe künstlerische Vollendung sowie den naturalistischen, ausdrucksstarken Stil, der eine große Nähe zwischen Betrachter und menschlicher Skulptur suggeriert.

Arma Christi

Göttliche Leiden

Reliquienhandel

Als „Arma Christi“, „Waffen Christi“ bezeichnet man die Leidenswerkzeuge, die einen Bezug zum Leiden und Sterben Jesu Christi haben. Helena, die Mutter Konstantins des Großen, suchte der Überlieferung nach im Heiligen Land nach den Foltergeräten, mit denen man Christus vor seinem Tod gequält hatte. Das wichtigste war das Kreuz, aber auch die Lanze, der Schwamm, die Kreuznägel, die Dornenkrone, die Geißelsäule und die Ruten gehörten dazu. Sie erhielten später alle einen heiligen Status, auch sprach man ihnen wundersame Wirkung zu. Nach dem Ende der Kreuzzüge im späten 13. Jahrhundert tauchte übrigens eine große Masse an Reliquien auf, angeblich aus Jerusalem stammend, mit denen ein reger Handel betrieben wurde.

Arma Christi

Niclas van Leyden

Compassion

Im 15. Jahrhundert setzte sich in der Kunst, von den Niederlanden ausgehend, besonders dank des Einflusses von Niclas Gerhaert van Leyden, ein zunehmender Realismus durch. Stilprägend war dieser auch für Tilman Riemenschneiders Werk. Mit großer Detailgenauigkeit entstanden realistische Wirklichkeitsabbilder, mit denen sich der Betrachter identifizieren konnte. Unser Kruzifix, aufgrund seiner bemessenen Größe sicher für den privaten Raum geschaffen, ermöglichte als Andachtsbild aufgrund seines starken Wirklichkeitsbezuges sicher ein besonders intensives Mit-Leiden (Compassio). So konnte der Gläubige im Gebet, verstärkt durch die bildliche Anschauung, emotional tief bewegt am Erlösungswerk Christi teilhaben.