Kunstwerke

Leidenschaft für Schätze der Vergangenheit

Leonhard Kern

Forchtenberg 1588 - 1662 Schwäbisch-Hall

Herkules und Hippolyte

1615/20, Alabaster, Höhe 82 cm

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Madonna und Kind

Franken oder Böhmen, zweites Viertel des 14. Jahrhunderts

Lindenholz mit alter Farbfassung und Vergoldung, Höhe 96 cm

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Johannesschüssel

Deutschland (Münsterland), spätes 15. Jahrhundert

Sandstein, Steinmetzzeichen am unteren Rand, Durchmesser 37,5 cm

Büste Mariens

Norditalien (Mantua?), um 1500

Terracotta mit Resten der originalen Farbfassung unter späteren Übermalungen, Höhe 43,5 cm

Johann Baptist Hagenauer

Ainring bei Salzburghofen (Freilassing) 1732 – 1810 Wien, zugeschrieben

Pietà

Salzburg, um 1755/60, Alabaster, 25 x 28,5 x 17,5 cm

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Madonna mit Kind, Frankreich (Ile de France)

Zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts

Kalksandstein, Höhe 61,5 cm

Kleiner hispano-mauresker Teller

Spanien (Manises), spätes 15. Jahrhundert

Ton, Lüstertechnik, Durchmesser 17 cm

Madonna und Kind

Deutschland (Oberrhein), um 1500

Lindenholz, Höhe 27,2 cm

Francis van Bossuit

Brüssel 1635 – 1692 Amsterdam

Bathseba im Bade und Lot und seine Töchter

Elfenbeinreliefs, beide 16 x 19,5 cm

Trabendes Pferd

Italien (Florenz oder Mailand), um 1500

Bronze, direkter Guss, Unikat, Höhe 27,8 cm

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Christoph Daniel Schenck

Konstanz 1633 – 1691, zugeschrieben

Joseph mit Christuskind

Lindenholz, Höhe 15 cm

Severo Calzetta da Ravenna

Tätig in Norditalien um 1496–1543, Umkreis

Tintenzeug mit Atlasfigur

Padua, erste Hälfte des 16. Jahrhunderts, Bronze, Höhe 26 cm

Severo Calzetta da Ravenna

Tätig in Norditalien um 1496–1543, Umkreis

Knieender Satyr

Erstes Drittel des 16. Jahrhunderts, Bronze, Höhe 20,5 cm

Johann Christoph Ludwig Lücke

Wohl Dresden um 1705 – 1780 Danzig

Frederik V., König von Dänemark

Kopenhagen, um 1752-54, Elfenbein, Höhe 26 cm

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1613

Eine schöne Braut

Hochzeit in Heidelberg

Möglicherweise hat auch das Herkules-Thema einen bewussten Bezug zum Heidelberger Kurfürsten: Die Vermählung zwischen Friedrich V. und Elisabeth Stuart wird als „Protestantische Allianz“ mit einem großen Fest und Triumphzug des Herrscherpaares gefeiert. Bemerkenswerterweise führen die pfälzischen Kurfürsten ihre Abstammung auf König Almann, den „Teutsch Hercules“ zurück. Der sogenannte „Hercules Palatinus“ wurde unter Ottheinrich (1502–1559) und Friedrich IV. (1574-1610) Bestandteil der Herrscherikonographie des Heidelberger Schlossbaus.

1616

Der pfälzische Herkules

Versteckte Botschaften in Palastgärten

Friedrich V. nahm den antiken Herkulesmythos dann in die Architektursprache des „Hortus Palatinus“ auf. Dieser Schlossgarten geht auf Planungen des französischen Hugenotten Salomon de Caus zurück und gehört zu den bedeutendsten höfischen Parkanlagen des 17. Jahrhunderts. Zehn Reliefs mit den ‚Bewährungsproben’ des Herkules sollten die Große Galerie über einer säulengeschmückten Attika schmücken. Ob der Entwurf, uns nur durch einen Kupferstich bekannt, noch zur Ausführung gekommen ist, muss offen bleiben

1609

Leonhard Kern auf Reisen

Per Schiff nach Mauretanien

Leonhard Kern gehört zu den wenigen Bildhauern seiner Zeit, der „Wanderjahre“ in Italien verbringt. Im Frühjahr 1609 reist er nach Rom und später nach Neapel. Es zeugt von Kerns Abenteuerlust, dass er sich dort auf einer florentinischen Galeere einschifft. Auf ihr gelangt er bis ins westafrikanische Mauretanien, zur damaligen Zeit ein höchst ungewöhnliches Reiseziel.

1330

Elisabeth von Böhmen

In Prag steht ein Machtwechsel bevor

Seit dem späten 9. Jahrhundert herrschen in Böhmen die Premislyden. Die letzte Premislydin ist Elisabeth, die 1310 Johann von Luxemburg in Speyer heiratet. Als sie 1330 stirbt, erlischt das Geschlecht. Königin Elisabeth findet ihre letzte Ruhe in der Familiengrablege im Kloster Zbrazlav, Prag.

1347

Böhmen erblüht

Das „Rom des Nordens“

Als unsere Madonna entstanden ist, bahnte sich in Europa eine neue künstlerische Formensprache an, der sogenannte „Weiche Stil“, auch internationale Gotik genannt. Typisch für die Plastik sind eine zunehmende Dreidimensionalität sowie anmutig und lieblich gestalteten Gesichter der Marienfiguren. Wie kam es zu dieser Entwicklung? Ein Grund ist die Wahl Karls von Luxemburg zum römisch-deutschen Kaiser: Karl wächst am Hof des Louvre in Paris auf und ist hoch verfeinert. 1364 wird der äußerst polyglotte Luxemburger (er spricht französisch, italienisch, deutsch und tschechisch) zum römisch-deutschen Kaiser gewählt, Regierungssitz ist Prag. Die Hauptstadt Böhmens baut der Kaiser zum künstlerischen Zentrum Mitteleuropas aus. Auf den großen Handelsstraßen der West-Ost Achse reisen nun bedeutende Künstler nach Böhmen.

15. Jahrhundert

Die Goldene Straße

Weg des Reichs

Kaiser Karl IV verstärkt die Verbindung zwischen seinen böhmischen Stammlanden und der Heimat in Luxemburg. Dies gelingt ihm durch den Ausbau der sogenannten "Goldenen Straße". Die Reichsstraße führte über die Reichsstädte Nürnberg und Frankfurt. Eine entscheidende Rolle spielten übrigens auch die steinernen Brücken (err. 1135 und 1276), die den Weg über die Donau respektive Main erlaubten. Kaufleute ziehen in die Städte, der kulturelle und künstlerische Austausch wird erleichtert.

1348

Wissensmetropole Prag

König Karl zieht die klugen Köpfe Europas nach Prag

Dank der Bulle von Papst Clemens VI. und dem Stiftungsbrief von Karl, König von Böhmen, kommt es zur Gründung der Karls-Universität in Prag, der ältesten Universität Mitteleuropas. Nach dem Vorbild der Pariser Universität war sie in vier Fakultäten unterteilt, darunter Theologie, Rechtswissenschaft, Medizin und Philosophie.

1204

Christen gegen Christen

Eine große Kriegsbeute

Mit Unterstützung des venezianischen Dogen Enrico Dandalo überfällt das Kreuzfahrerheer 1204 Konstantinopel und plündert die Stadt. Unter der Beute befindet sich auch das im 4. Jahrhundert entdeckte kostbare Kopfreliquiar von Johannes dem Täufer, das von Konstantinopel in die Kathedrale der französischen Stadt Amiens gebracht wird, wo es sich bis heute befindet. Die ältesten erhaltenen vollplastischen Johannesschüsseln entstehen nur wenige Jahre später. Schnell unterstellt man ihnen Wunderkraft: Man wirft Johannesschüsseln ins Meer, da man glaubt, Ertrunkene so ausfindig machen zu können oder aber man trägt Johannesschüsseln bei Migräne um den Altar.

24. Juni

Die heilige Familie

Jesus und Johannes

Johannes der Täufer ist der nur wenige Monate ältere Vetter von Jesus Christus. Als einziger Heiliger wird er wie Christus an seinem Geburtstag verehrt. Der Kirchenvater Augustinus erkennt einen Zusammenhang mit Johannes´ Aussage: Er (Christus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen (Johannes 3,30). So feiert man Johannes Geburtstag am 24. Juni. Nach dem Tag der Sommersonnenwende werden die Lichtstunden weniger und nehmen erst nach Christi Geburt am 24. Dezember wieder zu. Beide verbindet neben der Verwandtschaft das Leid, wobei Christus am Kreuz erhöht, Johannes durch die Enthauptung erniedrigt wird. Er ist der erste Märtyrer der Christenheit, die Johannesschüssel dient dazu, den Gläubigen eindringlich daran zu erinnern.

1905

Große Oper

Erotik und Martyrium

Im 20. Jahrhundert sorgt der Tod Johannes des Täufers für Aufruhr: Die Oper „Salome“ von Richard Strauß kommt in der Dresdner Hofoper zur Uraufführung. Wien lehnt ab: Dort empfindet man die musikalische Fassung nach dem gleichnamigen Drama von Oscar Wilde aus dem Jahr 1891 als verstörend und anstößig.

1945

Die Familie von Arnim

Ein verborgener Schatz in Park Muskau

Die Johannesschüssel hat eine bewegte Geschichte: Sie gehörte einem Zweig der Familie von Arnim, die bis 1945 in Schloss Muskau wohnte. Um das Kunstwerk vor der herannahenden Roten Armee zu retten, wird es im Park vergraben und erst im Zuge von Bauarbeiten nach der Wende entdeckt und zurückgegeben. Der Park selbst ist ein bedeutender Landschaftsgarten nach englischem Vorbild, den Fürst Hermann von Pückler-Muskau in den Jahren 1815 – 1845 in Bad Muskau anlegen ließ. Seit 2004 ist Park Muskau Unesco-Weltkulturerbe.

Jederzeit

Der Bildtypus der Verkündigungs- Maria

Einer jungen Frau wird Großes verheißen

Der Evangelist Lukas berichtet, wie ein Engel Maria die Geburt ihres Sohnes ankündigt: „Sei gegrüßt, Begnadigte! Der Herr [ist] mit dir... Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria! Denn du hast Gnade bei Gott gefunden. Und siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm seinen Namen Jesus nennen. Dieser wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden; und der Herr, Gott, wird ihm den Thron seines Vaters David geben.“ Maria mag sich bei dieser Verheißung gefürchtet haben vor dem, was sie erwartet und oft sieht man auf Gemälden oder Skulpturen, die diese Szene darstellen, dass die schöne, junge Maria diese Nachricht überrascht und auch ein wenig furchtsam aufnimmt, was man gut verstehen kann. Unsere Marienbüste war wohl einst eine Verkündigungsmadonna.

Um 1500

Isabella d´Este

Herrin des Musenhofes von Mantua

Wir ordnen die Marienbüste zeitlich um 1500 ein und glauben, dass sie in Mantua geschaffen wurde. Dort lebt zu dieser Zeit Isabella d´Este (1474-1539) die als Gattin von Gianfrancesco II. Gonzaga einen bedeutenden Musenhof unterhält. Die wichtigsten Künstler ihrer Zeit, vor allem Andrea Mantegna, schmücken die Residenz des Herrscherpaares mit ihren Arbeiten. Auch politisch ist die Markgräfin, die, gebildet, klug und schön dem weiblichen Idealtypus der Renaissance entspricht, äußerst begabt und von großem Einfluss.

Zeitlos

Die Gottesmutter und ihr Sohn

Größte Liebe - tiefster Schmerz

Die Pietà, auch Vesperbild genannt, ist die Darstellung Marias als Schmerzensmutter (Mater Dolorosa), die den Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Sohnes auf ihrem Schoß hält. Diese Bildtradition hat sich im Mittelalter herausgebildet, als es zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit dem Leiden Christi am Kreuz und des Trauerns der Mutter um den Sohn kam. Durch die emotionale Nähe sollte eine größere Identifikation des Gläubigen mit dem Heilsgeschehen entstehen. Vesperbilder sind in den meisten katholischen Kirchen zu finden. Die Szene bildet die vorletzte Station der Kreuzwegandacht. Die Bezeichnung Vesperbild beruht auf der Vorstellung, dass Maria den Leichnam ihres Sohnes am Karfreitag ungefähr zur Zeit des Abendgebets, der liturgischen Vesper, entgegennahm.

1732

Johann Baptist Hagenauer

Ein glücklicher Künstler

Johann Baptist Hagenauer gehört zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Zeit. Er kommt 1732 in Ainring bei Freilassing, das zum Fürstbistum Salzburg gehört, zur Welt. Sein künstlerisches Talent ist groß und findet Anerkennung: Der Salzburger Erzbischof Sigismund Graf Schrattenbach und sein Onkel Lorenz Hagenauer ermöglichen ihm ein Studium an der Wiener Hofakademie. Schrattenbach fördert auch eine Italienreise mit Studienaufenthalten in Rom und Florenz. Nach seiner Rückkehr ist ihm Fortuna, sowohl seine künstlerische Karriere als auch sein privates Glück betreffend, wohlgesonnen: Erzbischof Sigismund Graf Schrattenbach erhebt ihn 1761 in die Position des erzbischöflichen Galerieinspektors, 1764 heiratet er Maria Rosa Barducci. Die schöne Italienerin, aus einer Malerfamilie stammend und selbst künstlerisch tätig, ist Hagenauers liebstes Modell und Vorbild der Marienstatue am Salzburger Domplatz sowie zahlreicher weiterer Skulpturen.

1748

Maria Theresia von Habsburg

Eine mächtige Frau

Kaiser Karl VI. ändert die Erbfolge. Auch Königstöchter dürfen fortan in Ermangelung eines männlichen Thronfolgers im Habsburger Reich regieren. Nach seinem Tod tritt die älteste Tochter Maria Theresia die Nachfolge an. Allerdings wehren sich die Häuser Wittelsbach, Sachsen, Preußen und Frankreich gegen die Neuerung. Nach acht Jahren endet der Österreichische Erbfolgekrieg im Jahre 1748 jedoch mit einem Sieg für Maria Theresia, einer großen Bewunderin von Johann Baptist Hagenauers bildhauerischem Können, wovon auch das oben genannte Zitat ihrer Kaiserlichen Hoheit zeugt.

1882

Ein großer Sammler

Der Maler Louis Charles Timbal

Heute obliegt es vor allem den Museen eines Staates, Kunst zu sammeln, zu bewahren und auszustellen. Doch lange Zeit haben Privatpersonen diese wichtige Aufgabe übernommen, so auch im Fall des Franzosen Louis Charles Timbal (Paris, 1821 - 1880). Von Haus aus ein erfolgreicher Künstler, der regelmäßig im „Salon“ ausstellt, sammelt Timbal bedeutende Kunstwerke, darunter einen „Christus am Kreuz“ von Fra Angelico sowie eine Madonna mit Kind von Mino da Fiesole. Zwei Jahre nach seinem Tod erwirbt der Louvre im Jahre 1882 die Sammlung Louis Charles Timbal vor allem dank der Vermittlung seiner Witwe für eine relativ moderate Summe von 207.000 Francs. Das Museum setzt sich dabei gegen zahlreiche internationale Interessenten durch. Früher verkaufte Werke zieren heute u.a. internationale Museen. Auch unsere Madonna gehörte einst zu dieser illustren Privatsammlung.

Mittelalter

Luxus im Mittelalter

Brokatstoffe

Brokat, ein schwerer, mit Gold oder Silberfäden durchwirkter Seidenstoff, zählte zu den luxuriösesten und kostbarsten Geweben des Mittelalters. Besonders Italien produzierte die aufwendigen Stoffe und lieferte sie nach ganz Europa. Ausschlaggebend für den Preis war vor allem die Stärke des Edelmetalls, der Goldanteil im Faden und dessen Menge im Gesamtgewebe. Die Fürstenhöfe Europas sowie der päpstliche Haushalt in Rom waren die Hauptabnehmer von golddurchwirkten Brokatstoffen. Das „neue Gewand“, welches die bereits damals äußerst kostbare, liebliche Marienfigur in Spanien erhielt, zollt somit der Mode der Zeit Tribut, ist aber gleichzeitig auch als Statussymbol des Auftraggebers zu verstehen, dessen Muttergottes das teuerste Tuch tragen sollte, dass auf Erden zu kaufen war.

1328

Das Haus Valois

Beginn eines langen Krieges

Unsere Madonna entstand zur Zeit des Hundertjährigen Krieges (1337-1453), einer langen, gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen Frankreich und England, die nicht zuletzt durch die charismatische Gestalt der Johanna von Orléans für Frankreich entschieden werden konnte. Auslöser des Krieges waren Erbstreitigkeiten zwischen der englischen und der französischen Krone bzw. die Krönung von Philipp von Valois (1293 – 1350) zum französischen König.

1378

1001 Nacht in Granada

Schön wie das Paradies

Unser Teller kommt aus der Kultur der Mauren, die mehrere Jahrhunderte lang über weite Teile der iberischen Halbinsel und Nordafrikas herrschten. Das maurische Emirat unter den Nasriden ist für seine architektonisch-künstlerischen Meisterleistungen bekannt. Zu diesem Herrschergeschlecht gehört Mohammed V. (1338 -1391), der 1378 in der Stadtburg von Granada, der „Alhambra“, den sogenannten Löwenhof mit einer umlaufenden Säulengalerie errichten läßt. Unter diesem Emir steigt Granada zum Zentrum der islamischen Kultur im Westen auf.

Mittelalter

Im Mittelmeer

Majolica ist eine Insel

Für die Spanier hieß die Insel Mallorca, aber die Italiener nannten sie im Mittelalter Majolica. Und so bezeichnete man in Italien auch die aus Spanien über Mallorca exportierte maurische Lüsterkeramik, die sich größter Beliebtheit erfreute. Als man in Italien die Technik der Zinnglasur und den darübergelegten Scharffeuerfarben zu beherrschen lernte, übertrug man den Namen der Exportware auf die heimischen Produkte.

12. Jahrhundert

Wissen im Mittelalter

Geistige „Köstlichkeiten“

Herrad von Hohenburg (1125/1130-1195), war Äbtissin im Kloster Hohenburg auf dem Odilienberg, Elsaß. Sie hat eine bedeutende Enzyklopädie geschrieben, den „Hortus Delicarum (Garten der Köstlichkeiten)“, der das theologische und weltliche Wissen des Hochmittelalters umfasst. Dort findet sich die älteste bekannte bildliche Darstellung der Mondsichelmadonna.

1400

1400 Geburt eines Genies

Der Erfinder des Buchdrucks

Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg (Mainz um 1400 – 1468), wird in Mainz geboren. Die von ihm entwickelte Druckerpresse und gleichzeitige Verwendung von beweglichen Lettern löst um 1450 die herkömmlichen arbeitsintensiven und zeitaufwendigen Methoden der Buchproduktion ab. Erstmals ist die maschinelle Massenproduktion von Büchern möglich. Die zwischen 1452 und 1454 entstandene „Gutenberg-Bibel“ gilt als Gutenbergs Hauptwerk. Eine weitere, ebenfalls im 15. Jahrhundert entwickelte Drucktechnik ist der Kupferstich. Dieser dient in erster Linie zur Verbreitung von Abbildern. Unsere Madonna ist eine Folge dieser Erfindung, geht sie doch auf einen Kupferstich des Meisters E.S. zurück.

1727

Francis van Bossuit

Die erste Künstlermonographie der Kunstgeschichte

Francis van Bossuit, der 1692 in Amsterdam stirbt, wird bereits 1727 vor Raphael, Michelangelo oder Bernini durch eine Künstlermonographie geehrt, sein Werk dadurch weitgehend gesichert. Auf Grundlage der Zeichnungen vieler Werke van Bossuits durch Barend Graat (1628-1700) hatte der Schwiegersohn des Bildhauers, Mattijs Pool (1676-1740), Kupferstiche angefertigt und diese unter dem Titel „Cabinet de l´Art de Sculpture par le Fameux Sculpteur Francis van Bossuit“ veröffentlicht. Die neuartige Publikation war sehr erfolgreich, da das Werk van Bossuits im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert in den Niederlanden hochgeschätzt war.

17. Jahrhundert

Kaiser Philipp IV.

Der „König der Welt“

Als Francis van Bossuit 1635 in Brüssel geboren wird, regiert Philipp IV., genannt „Der Große“ oder „König der Welt“ über die Burgundischen Niederlande. Er gilt als der letzte spanische Herrscher, der eine Großmachtpolitik ausübt. Philipp IV. dilettiert als Maler und Dichter, ist Förderer der Künste und ernennt Diego Velazquez als Hofmaler. Dieser hat den Monarchen oft portraitiert.

Das Weiße Gold

Das Weiße Gold

Die geringen Vorkommen und die gefährlichen, langen Transportwege machen Elfenbein zu einem äußerst kostbaren Material; es besitzt eine ähnliche Wertschätzung wie Gold. Elfenbein ist bis ins späte 18. Jahrhundert ein Werkstoff für sakrale und profane Kunstobjekte höchster Qualität. Erst durch die Kolonialisierung des afrikanischen und des indischen Kontinents sowie die Vereinfachung der Jagd ändert sich dieser Zustand. Ende des 19. Jahrhunderts gelangen jährlich über 800 Tonnen Elfenbein nach Europa, das Material wird inflationär eingesetzt und der Elefant zu einem in seiner Existenz bedrohten Tier.

Um 1900

Ein Pferd trabt durch die Welt

Von Ungarn nach Venedig

Das schöne, trabende Bronzepferd befand sich einst in der Sammlung von Marczell Nemes, einem ungarischen Finanzmagnaten und großen, international geachteten Kunstsammler (Jánoshalma, Kaisertum Österreich 1866 – 1930 Budapest). Nach den politischen Unruhen um 1900 verläßt Nemes Budapest und lässt sich u.a. im Schloss von Tutzing am Starnberger See sowie in Venedig nieder, wo er den Palazzo Venier di Leoni kauft, den nach ihm Peggy Guggenheim bewohnt

Jederzeit

Pferd und Mensch

Eine enge Freundschaft

Seit Jahrtausenden verbinden Mensch und Pferd eine enge Beziehung. Überhöht als Fabeltier, in der symbiotischen Beziehung von Krieger und Pferd oder als unverzichtbarer Helfer bei der Feldarbeit. Auf einem Fresko aus Herculaneum ist das Verhältnis zwischen Mensch und Pferd einmal umgekehrt: Hier unterrichtet der Centaur Chiron den jungen Achilleus.

Um 1500

Phantastische Welten

Der Garten der Lüste

Während unser Bronzepferd von antiken Vorbildern inspiriert durch die Welt trabt, entsteht zur gleichen Zeit das bis heute rätselhaft gebliebene Dreitafelbild „Der Garten der Lüste“ des niederländischen Malers Hieronymus Bosch (1450-1516). Statt antikischer Klarheit herrscht hier Chaos, wie im rechten Innenflügel zu sehen.

Jederzeit

Kunst und Werkstoff

Bronze

Der Bronzeguss hat eine lange Tradition, die bis ins vierte vorchristliche Jahrtausend zurückreicht. Im Laufe der Zeit haben sich mehrere Verfahren herausgebildet, um eine Form zu gießen, das Gießen in Dauerformen und das Gießen in verlorene Formen, das sogenannte „cire perdu“. Letzteres ist die hohe Kunst des Gießens, da bei einem Fehler im Gussprozess mit dem gesamten Produktionsvorgang von Anfang an begonnen werden muss. Veranschaulicht in: Sculpture Fontes des Statues Equestres, planche V, aus: Diderot et d´Alembert, Encyclopédie ou Dictionnaire Raisonné des Sciences, des Arts et des Métiers.

1633

Die Welt im Chaos

Geburt in Konstanz

1633, mitten im Dreißigjährigen Krieg, erblickt Christoph Daniel Schenck in Konstanz das Licht der Welt. Im selben Jahr wird die Stadt vergeblich von den schwedischen Truppen belagert. Konstanz bleibt verschont, ein Glück für den zukünftigen Künstler.

1643

L´Etat c´est moi

Ludwig XIV wird König Frankreichs

Während in der Heimat von Christoph Daniel Schenck der Dreißigjährige Krieg wütet, besteigt Ludwig XIV. mit nur vier Jahren den französischen Thron. Unter ihm baute Frankreich seine Großmachtstellung in Europa aus. Der „Sonnenkönig“ förderte Künste und Wissenschaften. Die französische Hofkultur erstrahlte über ihre Landesgrenzen hinaus und war im Zeitalter des Barock Vorbild für alle Fürstenhöfe.

1960

Eltern und Kind

Eltern und Kind

Der französische Soziologe Philippe Ariès vertritt in seinem 1960 erschienenen bahnbrechenden Werk „Geschichte der Kindheit“ die These, dass ein zwischen Eltern und Kindern bestehender liebevoller Umgang keineswegs angeboren, sondern Ergebnis einer „Gefühlskultur“ ist, die sich erst im 16. und 17. Jahrhundert herausgebildet hat. Ariès zieht hierzu auch Darstellungen in der bildenden Kunst heran und zeigt einen Wandel auf. Die so anrührende Darstellung von Joseph und Jesuskind passt zeitlich genau und belegt Ariès` Behauptung eindrucksvoll.

Um 1500

Pietro Bembo

Ein großer Kunstsammler

Der berühmte humanistische Gelehrte und Kardinal Pietro Bembo (Venedig 1470 - 1547 Rom) lebte ebenfalls einige Jahre in Padua. In seiner Residenz befanden sich kostbare Kunstwerke, Antiquitäten, Bücher und Handschriften. Das prächtige Tintenzeug, ein Prestigeobjekt seiner Zeit und dazu äußerst funktional, könnte seinen Schreibtisch geziert haben.

1529

Taktischer Friedensschluss

Gefahr durch Sultan Suleyman

Die Zeiten, in denen das Tintenzeug einen Sammler erfreut, sind politisch äußerst instabil: Kaiser Karl schließt mit dem französischen König Ludwig XII. und Papst Clemens VII. in Cambrai einen Friedensvertrag, der die Italienischen Kriege (1494-1559), unter denen so viele Menschen leiden, unterbricht Der Grund: Sultan Süleyman der Prächtige belagert mit seinen Truppen Wien, die Hauptstadt der Habsburgischen Erblande. Das christliche Abendland ist bedroht.

1543

Nikolaus Kopernikus

Das heliozentrische Weltbild

1543, im Todesjahr von Severo Calzetta da Ravenna, veröffentlicht Nikolaus Kopernikus seine Theorie vom heliozentrischen Weltbild. Das heliozentrische Weltbild basiert auf der Annahme, dass sich die Planeten um die Sonne bewegen. Es steht im Gegensatz zum geozentrischen Weltbild, in dem die Erde Zentrum des Universums ist. Die Lehre vom heliozentrischen Weltbild stößt bei seiner Veröffentlichung auf große Ablehnung sowohl von Katholiken als auch Protestanten.

467 v.Chr.

Tragödien- dichter in Athen

Satyrspiel

Pratina von Phleius (Pratinas, gest. wohl 467 v. Chr.), einer der frühen Tragödiendichter Athens, gilt als Begründer des Satyrspieles. Es ist eine Art Komödie, in der märchenhafte und sinnliche Themen die Handlung bestimmen. Satyrn, mythologische Figuren, halb Mensch, halb Tier, die sich um den Gott Dionysos scharen, stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Das beliebte Satyrspiel stand im Gegensatz zur Tragödie und diente der Erheiterung und Zerstreuung der Bürger von Athen. Der Satyr begleitete die Griechen der Antike auch im Alltag: Davon zeugt der Aulos (Blasinstrument) spielende Satyr, den der attische Vasenmaler Epiktetos (520–500 v. Chr.) als Motiv wählte.

Jederzeit

Bronze

Künstlerischer Werkstoff

Bereits in der Antike diente Bronze als künstlerisches Medium. Dabei handelt es sich um eine Legierung aus Kupfer und Zinn, die in eine Form gegossen wird. Nach dem Abkühlprozess glättet der Künstler die Oberfläche und bearbeitet diese weiter. Haltbarkeit, Schönheit der Patina und hohe Wertigkeit des Metalls sind einige Gründe für seine Beliebtheit. Leider ist die „Recycelbarkeit des Materials ein großer Nachteil: Aus vielen wunderschönen Bronzen wurden in Kriegszeiten Kanonen gegossen. Andere schmolz man ein, um mit dem Material neue Figuren zu gießen.

1453

Antikes Griechenland

Verloren im Lauf der Geschichte

Die Kunst des antiken Griechenlandes war der Renaissance ein großes Vorbild, politisch hatten Attika und die Inseln der Ägäis zu dieser Zeit jedoch die Seiten wechseln müssen: Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen gehörten weite Teile des griechischen Sprachraums nun zum Reich des Sultans. Auch die Seemacht Venedig vermochte den Eroberern wenig entgegenzusetzen und verlor nach und nach seine Vormachtstellung im Mittelmeerraum

1500-1850

Klimawandel in Europa

Schönheiten des Winters

Die Kleine Eiszeit (1500–1850) erreichte in der Mitte des 18. Jahrhunderts ihren Höhepunkt. Künstler wie Francesco Foschi waren von den Schönheiten des Winters so gefangen, dass sie diese in pittoresken Landschaftsgemälden festhielten. Vielleicht fühlte sich auch Johann Christoph Ludwig Lücke von den Schönheiten des Winters inspiriert.

1749

Schloss Frederiksborg

Der König wird gesalbt

1746 wurde Frederik V. in der Kapelle von Schloss Frederiksborg zum König von Dänemark und Norwegen gesalbt. Entlang der Galerie sind heute noch die Wappenschilder der Träger des Dannebrogordens zu sehen.

Um 1750

Grenzen des Königreichs

Dänemark und Norwegen

Die Ausdehnung des dänischen Königreiches um 1750 war wesentlich größer als heute, beinhaltete es doch seit 1380 auch das Königreich Norwegen. Nach den Napoleonischen Kriegen musste Dänemark 1814 im Kieler Frieden Norwegen an den schwedischen König abgeben.