ALABASTERRELIEF MIT DER GEBURT CHRISTI

NOTTINGHAM, ENGLAND, 1. HÄLFTE DES 15. JHS.

ALABASTER, 40,5 x 26 x 3 CM

Das Relief zeigt die Geburt Christi. Im Vordergrund kniet Maria vor dem Christuskind, das auf einem Podest in einer Mandorla liegt. Zu seinen Füßen betet ein Engel. Hinter Maria steht Joseph, der sein Gesicht den beiden Hebammen Zebel und Salome zuneigt, die er laut der Legenda Aurea vorsorglich zur Geburt herbeiholte. Ochs und Esel, die beide auf das Christuskind herabblicken, werden in den Evangelien nicht genannt, sind aber seit frühchristlicher Zeit fester Bestandteil der Darstellung der Geburt Christi nach einer Prophezeiung des Propheten Jesaja. Die Szene schließt nach oben mit einer baldachinartigen Architektur ab, die ein weiterer Engel flankiert.

Die Darstellung der Geburt Christi entspricht der zu dieser Zeit theologisch aktuellen Bildtradition: In einer Vision, die die Hl. Birgitta während ihrer Reise ins Heilige Land im Jahr 1372 erlebte, zog Maria ihre Schuhe aus, legte den Mantel neben sich und nahm den Schleier vom Kopf, so dass ihr goldenes Haar auf die Schultern fiel. Nach der Geburt kniete sie vor dem neugeborenen Kind, das nackt auf dem Boden lag; von ihm gingen Strahlen aus, „heller als die Sonne“. Das göttliche Kind ruhte also nicht mehr gewickelt im Wochenbett und auch nicht in einer Krippe mit Stroh.

Der Abbau des Werkstoffes Alabaster begann in England bereits im 12. Jahrhundert und erlebte seinen Höhepunkt zwischen 1350 und 1530. Das weiche Material war leicht zu bearbeiten, die cremige, durchscheinende Oberfläche erinnerte an schimmernde Haut. Hinzu kam, dass Alabaster durch Erwähnungen im Alten Testament sowie in antiken Steinschneidewerken erwähnt und somit gleichermaßen nobilitiert war. Es stand damit auf einer Stufe wie der edle Marmor, der in Großbritannien nicht vorkam und nur auf kostspieligem, mühsamen Weg vom Festland importiert werden konnte. Die „Entdeckung“ der Alabasterbrüche in England gingen anheim mit einem wachsenden Bedürfnis nach sakraler Kunst für die private Andacht. Diesen bedienten die vor allem in und um Nottingham herum in den dort liegenden Steinbrüchen arbeitenden „Alabastermen“. Mehr als 2400 Alabastertafeln sind überliefert.

Unser Relief ist eine gut erhaltene Arbeit schöner Qualität, die in ihrer eindringlichen Frömmigkeit und theologischer Aktualität für die Blüte englischer Alabasterskulptur steht.