TINTE AUF BRONZE

JULIUS GOLDSCHMIDT

KUNSTHÄNDLER UND PHILANTHROP

Zwei Tinten-Inschriften auf der bronzenen Oberfläche verweisen auf einen der vormaligen Besitzer des Löwen-Aquamanile. Es handelt sich um den bedeutenden Kunsthändler Julius Goldschmidt (1858-1932). Julius übernahm nach dem Tod seines Vaters Jakob Goldschmidt die erfolgreiche Kunsthandelsfirma in Frankfurt, die bis zum 1. Weltkrieg zu den Hoflieferanten des russischen Zaren gehörte. Besondere Expertise erlangte Julius Goldschmidt mit dem Handel von Silberarbeiten der Gotik und der Renaissance. Zu seinen wichtigsten Kunden gehörte die weitverzweigte Rothschild-Familie, die er auch in Ankaufsfragen beriet. Julius Goldschmidt war jedoch nicht nur als Geschäftsmann erfolgreich, auch als Philanthrop setzte er sich für die sozial schwachen Bürger der Stadt in verschiedenen Stiftungen finanzstark ein und war so ein wichtiges Mitglied der bürgerlichen Gesellschaft Frankfurts.

HÄNDE WASCHEN

... NICHT VERGESSEN

HYGIENE IM MITTELALTER

Seit der Antike war es Brauch, sich mindestens die Hände vor den Mahlzeiten zu waschen. Oft wurden aber auch die Füße oder der gesamte Körper vor dem Essen gereinigt. Im frühen Mittelalter waren die kultivierten Tischsitten der Antike jedoch in Vergessenheit geraten. Erst allmählich änderte sich dies. Tischregeln wurden eingeführt, die wichtigste war das Händewaschen vor dem Essen. Grund war nicht zuletzt, dass man mit den Fingern oft aus einer gemeinsamen Schüssel aß. Man wollte als Gastgeber und Gast sicher sein, dass alle am Essen Beteiligten saubere Hände hatten. Diener stellten vor der Mahlzeit Wasserkannen, Handbecken und Handtücher bereit und ermöglichten so ein gemeinschaftliches Handwaschen. Servietten, in der Antike bekannt und geschätzt, tauchten in Europa übrigens erst wieder im 15. Jahrhundert auf. Bis dahin wurden schmutzige Finger an der Kleidung abgewischt.

METALL-KUNSTWERK

DER HOHLGUSS

TECHNIK AUS DEM ORIENT

Die Voraussetzung für die Herstellung von Aquamanilen war die Beherrschung des Hohlgussverfahrens. Diese Technik beherrschte im Westen jedoch niemand mehr. So war es ein Glück, dass ein kundiger Mönchspriester namens Rogerus von Helmarshausen unter dem Synonym Theophilus Presbyter in der „Schedula diversarum artium“ um 1100 dieses Herstellungsverfahrens detailliert beschrieb. Theophilus beruft sich hier auf die Kenntnisse und Fähigkeiten des Orients. In Hildesheim kam es bereits unter Bischof Bernward (983-1022) zu einem frühen Höhepunkt der Bronzetechnik. Er gab 1015 eine zweiflügelige Bronzetür für das Westportal des Doms zu Hildesheim in Auftrag. Sie gilt als eines der Hauptwerke der ottonischen Kunst und zeugt bis heute von der außergewöhnlichen Kunstfertigkeit der Hildesheimer Bronzegießer.