HL. SEBASTIAN

SÜDDEUTSCHLAND, DAT. 1689

OBSTHOLZ, H. 47,2 CM

Auf dem Sockel das Wappen des Fürstbischofs von Bamberg,Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1644 Eichstätt –1693 Bamberg, seit 1683 Fürstbischof). Auf den beiden Bändern links und rechts der Kaiserkrone, welche sinnbildlich für das Bistum Bamberg als kaiserliches Hochstift steht, sowie die Aufschrift ‚Vorch‘ und die Datierung ‚1689.

Der Heilige Sebastian steht in ausgeprägtem Kontrapost vor einem Baum. Dort erlitt er sein Martyrium, den Tod durch Pfeile. Seine rechte Hand ist nach oben an eine Astgabel gebunden. Die Anatomie des – bis auf einen Lendenschurz – unbekleideten Körpers ist detailliert dargestellt, die Gebärdensprache expressiv gesteigert.

Das Wappen auf dem Sockel der Figur weist auf den Auftraggeber, den Bamberger Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1644 Eichstätt–1693 Bamberg, seit 1683 Fürstbischof) hin.

Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg erhält bereits mit neun Jahren Domherrenpfründen in Bamberg und Würzburg. Er studiert ab1658 In Ingolstadt, 1672 wird er zum Subdiakon geweiht. 1665 erbt er von einem Vetter das sogenannte Echterhaus in der Bamberger Judengasse, das seitdem als „Stauffenberghaus“ bezeichnet wird. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1679 übernimmt er gemeinsam mit seinen beiden Brüdern das Rittergut Amerdingen bei Nördlingen, das sich seit 1566 im Besitz der Schenken von Stauffenberg befindet.

1683 wird Marquard zum Fürstbischof von Bamberg gewählt, die Priesterweihe erfolgt allerdings erst 1687. Er gilt als gewandter Diplomat und als Förderer der ihm unterstehenden Orden. Auch die Verwaltung der Familiengüter gelingt ihm gut. Durch Erhöhung der Einnahmen reduziert er die Schulden seines Vorgängers Fürstbischof Peter Philipp von Dernbach beträchtlich und reformiert die Verwaltungsstrukturen des Bistums. Die verbesserte Finanzlage erlaubt ihm, eine Vielzahl künstlerischer Projekte in Auftrag zu geben. In Bamberg lässt er die Martinskirche errichten, in Forchheim das Franziskanerkloster. 1685 beginnen die Planungen, Schloss Seehof als bischöflichen Landsitz auszubauen, der bezeichnenderweise als “Marquardsburg” in die Geschichte eingeht. Dafür beauftragt er neben anderen Künstlern den italienischen Architekten Antonio Petrini und lässt sich von der oberbayrischen Baumeisterfamilie Dientzenhofer beraten.

Die Inschrift ‘Vorch’, die auf dem Wappen zu sehen ist, könnte eine Abkürzung des Ortsnamens der Stadt Forchheim sein. Forchheim war die wichtigste Festungsstadt des Hochstifts Bamberg. Da Bamberg nur unzureichend gegen feindliche Angriffe gesichert war, zogen sich die Bamberger Fürstbischöfe in unsicheren Zeiten mit dem Domschatz dorthin zurück. Als Kaiserpfalz errichtet, war Forchheim seit dem späten 14. Jahrhundert fürstbischöfliche Residenz. Die Schwester von Fürstbischofs Marquard, Katharina Sophie von Eyb, lässt sich dort 1685 mit Hilfe ihres Bruders ein weitläufiges Anwesen errichten. Seit 1694 wird dieses von den Fürstbischöfen als Amtshaus genutzt.

Die Grundsteinlegung für das Franziskanerkloster in Forchheim erfolgt 1684 im Namen des Bamberger Fürstbischofs Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg. Im Jahr darauf wird in Anwesenheit des Fürstbischofs am 6. April mit dem Bau der Klosterkirche begonnen. Für seinen Namensheiligen stiftet Marquard Sebastian dort die Sebastiani-Kapelle. Die Weihe der fertig gestellten Klosterkirche sowie der Kapelle findet am 9. Oktober 1693 statt, nur fünf Monate vor dem Tod des Fürstbischofs. Auf dem Sterbebett verfügt Marquard Sebastian, dass sein Herz in der Klosterkirche bestattet werden soll.

Über dem Portal der Klosterkirche, die dem Hl. Antonius von Padua geweiht ist, prangt das Wappen des Gründers, im dahinterliegenden Fries nennt ein Schriftzug “Marquardo Sebastiano’ seine beiden latinisierten Vornamen. Das Wappen zeigt die beiden Löwen aus dem Wappen der Familie Stauffenberg sowie den einzelnen Löwen für das Bistum Bamberg, entsprechend des Allianzwappens von Schloss Seehof.

Wie eingangs erwähnt, ziert den Sockel, auf dem unsere Sebastiansfigur steht, das Familienwappen der Schenken von Stauffenberg, bekrönt von der Kaiserkrone. Diese steht sinnbildlich für das Bistum Bamberg als kaiserliches Hochstift. Die Figur mit dem Namensheiligen des Bischofs war aufgrund des angebrachten Familienwappens wahrscheinlich für Marquards private Gemächer bestimmt. Als Aufstellungsort ist aber auch ein Altar der Sebastianikapelle denkbar.

Der Künstlername der virtuosen Heiligenfigur ist nicht überliefert. Fürstbischof Marquard hat mit Sicherheit nicht nur Bamberger oder Forchheimer Künstler beschäftigt. Die Kontakte zu den schwäbischen Ursprüngen seiner Familie sind nie abgebrochen, so könnte der unbekannte Bildhauer auch aus dieser Region stammen.