Kunstwerke

Leidenschaft für Schätze der Vergangenheit

Bildteppich mit Johannes dem Täufer

Südliche Niederlande oder Ferrara, letztes Viertel des 15. Jhs.

Wolle und Seide, 113 x 63 cm

Prunkrahmen

Flandern (Antwerpen), um 1550-70

Eiche, spätere Fassung 156 x 90 cm

Adam Dircksz und Werkstatt

Niederlande, um 1520

Miniatursarg

Buchsbaum, 6,5 x 2,4 cm

Hans Leinberger

belegt in Landshut, 1510-1530

Zwei welsche Putten

um 1515, Lindenholz

Simone di Niccolò Bianco, zugeschr.

Loro Ciuffenna/Arezzo ? - Venedig 1553

Idealisierter Frauenkopf im Profil

Venedig, um 1520/30, 30 x 32,5 x 8,5 cm

Schenck, Christoph Daniel, zugeschr.

Konstanz 1633 - 1691

Hl. Sebastian

Konstanz, um 1680, Obstholzrelief, farbig gefaßt, 15,5 x 11,3 cm

Meister I.C., wohl Jean de Court

Limoges 1530-1584

Kanne „Bacchanal“

Limoges, c. 1580, Emaille auf Kupfer, H. 27 cm

Reliquiar

Italien, Florenz, Mitte 17. Jh.

Silber, teilweise feuervergoldet, Ebenholz, Jaspis 50 x 23 x 23 cm

Alabasterrelief mit der Geburt Christi

England, Nottingham, 2. Hälfte des 15. Jhs.

Alabaster, 40,5 x 26 x 3 cm

Hl. Blasius

Süddeutschland, dat. an der Plinthe 1596

Obstholz mit originaler Fassung, H. 25,5 cm

Hl. Sebastian.

Süddeutschland (Augsburg?), Mitte 18. Jh.

Obstholz mit großen Resten originaler Fassung und Vergoldung, H. 28 cm

Prozessionskreuz

Frankreich oder Italien, 14. Jahrhundert

Silber vergoldet, Emaille, H. 25 cm

José Dias dos Santos, zugeschrieben

Aveiro, Portugal, 17. Jh.

Schlafendes Christuskind

Letztes Viertel 17. Jh., Terracotta, gefasst und vergoldet, 29 x 28 cm

Hl. Sebastian

Süddeutschland, Augsburg, 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts

Buchsbaum, H. 28,6 cm

Kopf Johannes des Täufers

England, Nottingham, spätes 15. Jahrhundert

Alabasterrelief, originale Fassung, 25,5 x 18 cm

Alonso Cano

Spanien, Granada, 17. Jahrhundert

Stehendes Christuskind

Blei, farbig gefaßt, Höhe 61,5 cm

Giuseppe Gricci

Florenz 1719 - 1771 Madrid

Pietà

Neapel, 1744, Terrakotta, Reste der alten Fassung

Kruzifix

Südfrankreich, 12. Jahrhundert

Bronze vergoldet, Höhe 16,5 cm

Kleiner hispano-mauresker Teller

Spanien (Manises), spätes 15. Jahrhundert

Ton, Lüstertechnik, Durchmesser 17 cm

Madonna und Kind

Deutschland (Oberrhein), um 1500

Lindenholz, Höhe 27,2 cm

Francis van Bossuit

Brüssel 1635 – 1692 Amsterdam

Bathseba im Bade und Lot und seine Töchter

Elfenbeinreliefs, beide 16 x 19,5 cm

Christoph Daniel Schenck

Konstanz 1633 – 1691, zugeschrieben

Joseph mit Christuskind

Lindenholz, Höhe 15 cm

Severo Calzetta da Ravenna

Tätig in Norditalien um 1496–1543, Umkreis

Knieender Satyr

Erstes Drittel des 16. Jahrhunderts, Bronze, Höhe 20,5 cm

Ercole d´Este

Lucrezia Borgia

Ferrara

Im ausgehenden 15. Jahrhundert herrschte Ercole I d´Este über Ferrara, Modena und Reggio. Dank seiner umsichtigen Herrschaft blühten die Herzogtümer wirtschaftlich und kulturell auf. Der Herzog war mit Eleonora von Aragón verheiratet. Der Ehe entstammten sechs Kinder, darunter die spätere Musenfürstin des Hofes von Mantua, Isabella d´Este. Alfonso, der erstgeborene Sohn, übernahm 1505 den Herzogtitel von seinem Vater. Seine Gemahlin Lucrezia entstammte übrigens der berüchtigten Familie der Borgia. Ihrem Ruf wurde sie in Ferrara allerdings nicht gerecht; Adel, Volk sowie Künstler verehrten Lucrezia, vor allem Herzog Alfonso war ihr in großer Liebe zugetan.

Kunst des Webens

Schmuck

und Komfort

Im 11. Jahrhundert stieg die Nachfrage nach gewirkten Wandteppichen in Europa stark an, was sich wiederum auf die Produktion und deren Qualität positiv auswirkte. Es entstanden viele kostbare Werke mit bildlichen Motiven. Wie in früheren Herrscheraulen schmückte man nun Kirchenräume mit figürlichen Bildteppichen. Weltliche Wandteppiche dagegen zeigten höfische Szenen bzw. Ausschnitte aus den Dichtungen der Troubadoure und gehörten zum unverzichtbaren Reisegepäck der Fürsten. In Truhen verpackt wurden sie auf Wagen oder Zugtiere verladen, um dem Reisenden unterwegs die nackte Mauer zu bekleiden, ihn mit Wärme und mit der vertrauten Bildwelt zu umgeben.

Schafe

Wolle

Spindel und Rocken

Wirkteppiche wurden in der Regel aus Wollgarn gewebt. Wolle ist ein Rohstoff, der vom Schaf gewonnen, gewaschen, gekämmt und dann zu Garn gesponnen wird. Im frühen Mittelalter erfolgte das Spinnen noch mühsam von Hand mit Hilfe eines Spinnrockens und einer Spindel. Erst Ende des 13. Jahrhunderts kam das Spinnrad in Gebrauch. Die Wollverarbeitung wurde meistens von Frauen vorgenommen, wie auch das Weben seit der Antike eine typische Frauenarbeit war, wie uns auch Homers Odyssee lehrt, in der Penelope, die Frau des Odysseus, ein Totentuch für ihren Schwiegervater Laërtes webt, oder die unglückliche Weberin Ariadne, die Athene zum Wettstreit herausfordert. Doch das ist eine andere Geschichte.

Schönheit

in unruhigen Zeiten

Macht und Religion

Das prunkvolle Stück entstand in sehr unruhigen Zeiten. Bedingt durch die Konflikte zwischen den katholischen Habsburgern, insbesondere der strengen Herrschaft Philipps II., und den vom Reich losgelösten protestantischen Niederlanden, kam es 1568 zum achtzigjährigen Krieg, der erst 1648 mit dem Westfälischen Frieden endete. Antwerpen gehörte im 16. Jahrhundert zu den größten Städten der Welt, war dank des Flusses Schelde die reichste Handelsstadt Europas und ein bedeutendes kulturelles Zentrum. Im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen kam es zum Niedergang der reichen Stadt. Der Öffnung Antwerpens zum Protestantismus wurde 1585 durch die Eroberung des spanischen Statthalters Alessandro Farnese ein gewaltsames Ende gesetzt.

Zauber der Antike

Vermeintliche Höhlen

Domus Aurea

Der große, architektonisch gegliederte Rahmen ist mit sogenannten Grotesken reich verziert. Dieser Dekorationsstil, der Pflanzenranken, Fruchtschnüre, Bänder, phantastische Menschen- und Tierfiguren miteinander kombiniert, geht auf antike Vorbilder zurück: Ende des 15. Jahrhunderts entdeckte man in den verschütteten Thermen des Kaisers Hadrian und in den zur Zeit Neros angelegten unterirdischen Gewölben im „Goldenen Haus“ am Esquilin in Rom reiche Wandmalereien. Fasziniert von diesem Formenreichtum kopierten Künstler, wie Raffael und Giulio Romano, die Dekorationen, die sie in den vermeintlichen Höhlen fanden. Von „grotta“, Höhle, leitet sich auch der „Groteske“ genannte Ornamentstil ab. Cornelis Floris brachte es bei der Rezeption dieses Stils zu einer großen Meisterschaft und erstellte Ornamentstichfolgen, die weite Verbreitung fanden (Florisstil).

Konstruktion

Dekor

Bildrahmen

Ein Rahmen dient einerseits der räumlichen Einfassung eines Bildes, andererseits hat er eine praktische Funktion: Der architektonische Aufbau dient dem Schutz und ermöglicht eine Fixierung an der Wand. Trägermaterialien sind vor allem Holz, Marmor und Metall. Die Gestaltung des Rahmens war im Lauf der Jahrhunderte den jeweiligen Zeitstilen unterworfen. Ursprünglich im sakralen Kontext Altar- und Kirchenbildern einfassend, kamen Rahmen im ausgehenden Mittelalter auch im weltlichen Umfeld zum Einsatz und wurden zu prachtvoll verzierten, architektonischen Formenschöpfungen, die dem Wert des einrahmenden Bildes in nichts nachstanden.

Wunderwerke aus Holz

in Delft

Brandgefahr

Die kleinen Wunderwerke von Adam Dircksz entstanden wohl zwischen 1500 – 1530 in seiner Werkstatt in Delft, zu dieser Zeit eine der bedeutenden Städte der Grafschaft Holland. Die zweitgrößte Stadt der Niederlande wurde im Jahr 1536 durch eine Feuersbrunst schwer getroffen. Stadtbrände verstand man zu dieser Zeit oft noch als Strafmaßnahme Gottes über die sündigen Menschen. Nicht zuletzt die Hilfezuwendungen durch andere Städte und Ämter verhalf zu einem schnellen Wiederaufbau.

Mikrokoschnitzerei

Mahnende Vergänglichkeit

Glaube und Trost

Seit der Antike gab es Künstler, die Figuren oder ganze Szenen miniaturhaft verkleinert zu schnitzen vermochten. Zur Zeit der Gotik fertigten die sogenannten Mikroschnitzer sakrale Miniaturen in Buchsbaum und Elfenbein an. Der Vorteil der kleinen Kunstwerke war, dass man diese stets mit sich führen konnte und sich dadurch Schutz und Beistand gegen böse Mächte bzw. Krankheiten erhoffte. Unser Särglein erinnerte seinen Träger an die Vergänglichkeit des Lebens erinnern stärkte ihn so in seinem Glauben.

Herzogtum Burgund

Haus Habsburg

Religiöses Accessoire

Zu Lebzeiten von Adam Dircksz gehörten die heutigen Niederlande, Belgien, Luxemburg und ein Teil Nordfrankreichs zu den „Burgundischen Niederlanden“. Durch die Hochzeit von Maria von Burgund mit Maximilian von Österreich war das Herzogtum Burgund zum habsburgischen Hausbesitz gelangt, Brüssel blieb aber weiterhin Hauptstadt. Sicherlich kamen viele der Käufer von Dircksz´ „kleinen Wundern“ aus dem burgundischen bzw. habsburgischen Adel oder aus dem reichen Bürgertum der großen Handelsstädte.

Ludwig X.

Wilhelm IV.

Zwei Herzöge in Bayern

Zu Lebzeiten von Hans Leinberger war Ludwig X., der jüngere Bruder von Herzog Wilhelm IV., Herzog von Bayern, regierte allerdings nur über ein Viertel des Territoriums. Residenzstadt war Landshut. War die Herrschaft der beiden Brüder in ihren Anfängen noch von einer großen religiösen Toleranz gegenüber den Schriften Martin Luthers geprägt, so änderte sich dies ab dem Jahre 1522. Auf der „Grünwalder Konferenz“ vereinbarten Ludwig und Wilhelm, dass Bayern dem „alten Glauben“ zugehörig sein sollte. 1537 bis 1543 ließ Herzog Ludwig in Landshut eine neue Stadtresidenz errichten, die Einflüsse italienischer Renaissancearchitektur aufweist und damit nördlich der Alpen ein Novum war.

Antike ist Mode

Künstlerkollegen

Landshuter Nachbarn

Die beiden fliegenden Knaben tragen antikisierende Rüstungen, die im frühen 16. Jahrhundert große Mode waren. In unmittelbarer Nähe der Leinberger-Werkstatt in der Barfüßergasse in Landshut sind Plattner, also Rüstungsmacher, wie z.B. Sigmund Plattner oder Erhart Rolf als Hausbesitzer dokumentiert. Es ist anzunehmen, dass Leinberger dort Anregungen erhielt, aber auch technische Fertigkeiten, wie z.B. die Ätzgravierung, erlernen konnte. Diese Technik übertrug er auf die Bildhauerei. Sie korrespondiert mit den Oberflächenbearbeitungen einiger Skulpturen und Schnitzarbeiten Leinbergers.

Weitere Künstlerfreunde

Der "Schwabmaler"

Hofmaler

Ein weiterer Landshuter Künstlerkollege war Hans Wertinger (1465/70 – 1533), auch „Schwabmaler“ genannt. Wie Leinberger wohnte er im Handwerkerviertel. Auf Tafel,- Glas- und Freskenmalerei spezialisiert, erhielt Wertinger wichtige Aufträge von Pfalzgraf Philipp, Bischof von Freising, sowie von Herzog Ludwig X. von Bayern, als dessen Hofmaler er 1518 erwähnt wird. Wie Leinberger ist auch Wertinger ein Künstler, der zunächst noch im spätgotischen Stil arbeitet, sich aber dann der Renaissance zuwendet. Er gilt als letzter bedeutender Vertreter der Altlandshuter Malschule.

Loro Ciuffenna

Malerischer Geburtsort

Straße ins Leben

Als Geburtsort von Simone di Niccolo Bianco gilt Loro Ciuffenna, ein malerischer Ort am Fuße des Pratomagno. Bereits 1462, vor Simones Geburt, erhielt Loro Ciuiffena Stadtrechte und erlangte unter der Herrschaft der Medici an wirtschaftlicher Bedeutung.
In Loro Ciuffenna beginnt auch die Via dei Sette Ponti, die „Straße der sieben Brücken“, die bis ins 30 km entfernte Arezzo führt. Die erste der Brücken schwingt sich seit dem Mittelalter im Ortszentrum bogenförmig über den Fluß Ciuffenna. Dort wurde bereits im 11. Jahrhundert eine Mühle errichtet. Vielleicht ist Simone di Bianco auf der Straße der sieben Brücken nach Venedig gereist? Bis in die Lagunenstadt sind es rund 300 km, für die damalige Zeit eine lange Strecke.

Ein großer Doge

Venedigs Macht

Überschrittener Zenit

Simone di Bianco, dessen Geburtsjahr nicht überliefert ist, wurde zum ersten Mal im Jahr 1521 in Venedig urkundlich erwähnt. Zu dieser Zeit war Leonardo Loredan Doge von Venedig. In seine Regierungszeit fielen die kriegerischen Auseinandersetzungen mit der Liga von Cambrai, ein gegen Venedig gerichtetes Bündnis zwischen König Ludwig XII., Papst Julius II., Kaiser Maximilian, Ferdinand von Aragón und einigen italienischen Kleinstaaten. Venedig hatte den Krieg unter Loredan schließlich zwar nicht verloren, es war gelungen, große Teile des Landbesitzes zu halten, die Macht Venedigs jedoch gebrochen. Mit dem Tod des Dogen hatte Venedigs seinen politischen Zenit überschritten.

Kunstvolle Haarmoden

Edelsteine und Zitronen

Bescheidene Männer

Die phantasievolle Frisur der schönen Unbekannten steht für die antikisch beeinflusste Haarmode der italienischen Renaissance. Edelsteine, Bänder oder Perlen verzierten die kunstvollen Flechten und feinen Locken. Helle Haartöne waren sehr in Mode und wurden, wenn nicht natürlich vorhanden, durch Bleichen in der Sonne oder Kuren mit Zitronensaft erzeugt. Die Männerfrisuren waren wesentlich schlichter als die der Frauen und unterschieden sich innerhalb der verschiedenen Gesellschaftsklassen nicht.

Vergil und die Aeneis

Verwickeltes Epos

Gefahr aus dem Meer

Vergil berichtet in seinem Mythos „Aeneis“ (1. Jh. v. Chr.), Laokoon, Priester des Apollon, habe die Trojaner davor gewarnt, das hölzerne Pferd der Griechen in die belagerte Stadt zu ziehen. Er ahnte als einziger, dass sich im Bauch des vermeintlichen Weihegeschenks griechische Krieger verbergen würden. Athene, die das griechische Heer unterstützte, schickte zwei Meerschlangen, die Laokoon und dessen zwei Söhne erwürgten. Die Trojaner glaubten, dies sei die Strafe der Götter für die Ablehnung des Geschenkes, zogen das hölzerne Pferd in die Stadt und besiegelten damit ihren Untergang.

Gegenreformation

Katholiken und Protestanten

Ignatius von Loyola

Die Reaktion der kath. Kirche auf die von  Luther ausgehende Reformation bezeichnet man als Gegenreformation. Nach dem Konzil von Trient 1545 versuchte Rom mit Unterstützung des habsburgischen Kaisers den Protestantismus gewaltsam zurückzudrängen. Vorreiter der Gegenreformation war der 1534 durch Ignatius von Loyola gegründete Jesuitenorden. Die Bedrohung durch den Protestantismus hatte aber für die katholische Kirche ihr Gutes: Sie nahm sich einiger Missstände an, reformierte die Priesterausbildung und regulierte missbräuchlich erhobene Pfründe und Ablässe.

Konstanz 1633

Fürst Willibald

Eine glückliche Ehe

1633, im Geburtsjahr von Christoph Daniel Schenck, belagerten schwedische Truppen unter Führung des Feldherrn Gustav Horn das katholische, kaisertreue Konstanz bereits im zweiten Jahr. Dank der Verteidigung durch Maximilian Willibald Fürst von Waldburg-Wolfegg erlitt das feindliche Heer schwere Verluste und zog im Oktober ab. Maximilian Willibald war ein gebildeter, vielseitig interessierter Schöngeist. Er überlebte den Dreißigjährigen Krieg und heiratete 1648 in zweiter Ehe die kunstsinnige flämische Herzogin Clara Isabella aus dem Haus Arenberg.

Lust am Rausch

Griechischer Import...

...ins antike Rom

Die Dionysien bzw. Bacchanalien waren ein rauschhafter Fruchtbarkeitskult, oft unterstützt durch Alkohol oder halluzinogene Pilze. Die Tradition des Frühlingsfestes führte, obwohl sozusagen aus Griechenland importiert, auch Elemente der römischen Religion bzw. der etruskischen Kultur neu zusammen. Sicher bereitete vielen Römern dieser Tage lange, jährliche Ausnamezustand, der an die Karnevalkultur unserer Tage erinnert, große Freude. Dies erklärt auch, warum dieses griechische „Importfest“ so beliebt war.

Geschenke der Natur

nicht immmer jugendfrei

und gefährlich

Pflanzen und Pilze, deren Genuß einen rauschhaften Zustand hervorrufen, spielten eine wichtige Rolle für die religiöse Entwicklung in vielen Gesellschaften weltweit. Die ersten Hinweise auf den Gebrauch von psychoaktiven Pilzen geben Felszeichnungen in der Tassiliebene im heutigen Algerien, die pilzförmige Gottheiten zeigen (um 5000 v. Chr.). Germanische Völker nutzten z.B. den Fliegenpilz zur Kontaktaufnahme mit Ahnen und Geistern. Wobei die richtige Dosierung sicherlich eine existentielle Rolle spielte.

Kostbare Erden

durch den Menschen

in Form gebracht

Emaille bezeichnet eine Masse, meist aus Silikaten (Glasmasse) und Oxiden (Farbpulver) bestehend, die auf ein Trägermaterial aufgebracht und unter großer Hitze bei kurzer Brenndauer geschmolzen wird. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten Handwerker verschiedene Techniken und erzeugten Arbeiten von hoher künstlerischer Qualität. Für die Renaissance ist das sogenannte Maleremail, das „Email Peint“ typisch. Ein meisterliches Beispiel für dieses Verfahren ist unser Zierkrug.

Simon Petrus

Der Fels der Kirche

Martyrium in Rom

Der Jünger Simon Petrus (Fels) stammte aus Bethsaida am See Genezareth. Über das Wirken des Petrus nach Tod und Auferstehung Jesu ist wenig bekannt. Fast alle Nachrichten von seinem Leben in dieser Zeit stammen aus der Apostelgeschichte. So sorgte er dafür, dass sich die Jünger Jesu bald wieder in Jerusalem versammelten und die Botschaft von der Auferstehung verkündeten. Anschließend missionierte Petrus in Antiochia und Kleinasien vor allem Nichtjuden. Seine letzte Missionsreise führte ihn nach Rom. Dort soll er der Überlieferung nach mit Paulus zusammengetroffen sein. Wie Paulus starb auch Petrus zwischen 64 und 67 nach Christus den Märtyrertod. Sein Leichnam wurde angeblich dort beigesetzt, wo heute der Petersdom steht. Archäologische Untersuchungen stützen diese These.

Ruhm der Fürsten

vermehrt durch Kunst

Die Hofwerkstätten

Großherzog Cosimo I.(1519-1574) erweiterte die Kunstsammlungen der Medici. Er beauftragte die großen Künstler der Zeit, förderte das Kunsthandwerk und vergrößerte den Ruhm der Stadt. Ferdinand I. de’ Medici (1549-1609) brachte die großherzoglichen Hofwerkstätten 1588 im „Palazzo degli Uffizi“  unter: Auf Kristall, Kameen oder Schmucksteine spezialisierte Graveure, Gold- und Silberschmiede schufen dort mit großer Könnerschaft und künstlerischem Einfallsreichtum kostbare Gegenstände auf höchstem künstlerischen Niveau. Zahlreiche Kunstwerke wurden als Präsente an die Fürstenhöfe Europas verschickt, mit denen die Medici ein dichtes Netz von Beziehungen unterhielten.

St. Peter in Rom

Hier ruht Petrus

Berninis Ziborium

Als „Ziborium“ bezeichnet man einen auf Säulen ruhenden Aufbau über einem Altar. In der frühchristlichen Basilika sollte das Ziborium den frei stehenden Altar über dem Märtyrergrab auszeichnen und schützen. Es setzt einen wichtigen Akzent innerhalb der Kirchenarchitektur. Gian Lorenzo Bernini entwarf für den Hochaltar der Peterskirche in Rom sicher das bekannteste und vorbildhafte Ziborium. Sein wichtigster Förderer, Papst Urban VIII., betraute den jungen Künstler mit diesem Projekt. Bernini fertigte die Baldachin-Architektur mit der Hilfe Borrominis aus der Bronzeverkleidung des Gebälks der Vorhalle des Pantheon an.

 

Marias Schleier...

oder ihre goldene Haare?

Birgittas Sicht

Die Darstellung der Geburt Christi entspricht der zu dieser Zeit theologisch aktuellen Bildtradition: In einer Vision, die die Hl. Birgitta während ihrer Reise ins Heilige Land im Jahr 1372 erlebte, zog Maria ihre Schuhe aus, legte den Mantel neben sich und nahm den Schleier vom Kopf, so dass ihr goldenes Haar auf die Schultern fiel. Nach der Geburt kniete sie vor dem neugeborenen Kind, das nackt auf dem Boden lag; von ihm gingen Strahlen aus, „heller als die Sonne“. Das göttliche Kind ruhte also nicht mehr gewickelt im Wochenbett und auch nicht in einer Krippe mit Stroh.

Eine Wunderfaser

märchenhaft , aber wahr:

Byssus, die Muschelseide

Auch wenn er hier nicht dargestellt wird; der Schleier Mariens, das „Maphorion“, galt lange als eine der wichtigsten Reliquien der Christenheit. Er wurde bis zur Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204 in der Kirche Sankt Maria von Blachernae aufbewahrt. Heute befindet sich der Schleier in der Basilika von Assisi. Er ist aus einem märchenhaften Stoff gefertigt, aus Byssus, einer Muschelseide. Byssus wird aus den Fasern der im Mittelmeer lebenden „Edlen Steckmuschel“ gewonnen. Heute ist das Wissen um Byssus nahezu verloren. Es gibt weltweit nur noch eine Muschelseidenweberin auf der Welt, Chiara Vigo. Sie lebt auf Sardinien.

Süße Mandorla

Göttliche Glorie

Die Herrlichkeit des Herrn

Das kleine Christuskind liegt nackt in einer Mandorla auf einer Art Altar. Was versteht man darunter? Eine Mandorla, italienisch für Mandel, ist eine Glorie, die eine ganze Figur umstrahlt. Sie ist sichtbarer Ausdruck der Heilskraft eines göttlichen Wesens. Hier umgibt sie Gottes Sohn, der in seiner rechten Hand eine Kugel hält, Symbol der göttlichen Herrschaft über die Welt. Häufiger in der Kunstgeschichte zu sehen ist jedoch der erwachsene Christus in der Mandorla. Wir sehen dann die Majestas Domini, die „Herrlichkeit des Herrn“.

Arzt und Bischof

Sebaste in Armenien

Kaiser Licinius

Blasius lebte in der 2. Hälfte des 3. Jahrhunderts. Er arbeitete als Arzt und wurde Bischof von Sebaste, damals Hauptstadt der römischen Provinz Armenien (heute Sivas, Türkei). Der Überlieferung zufolge erlitt Blasius unter Kaiser Licinius das Martyrium, wahrscheinlicher ist aber das Martyrium zur Zeit von Kaiser Diokletian. Der Heilige wird angerufen bei Halsleiden. Das Segenswort lautet im Benediktionale: Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Halskrankheit und allem Bösen.

Freund der Tiere

Grausames Martyrium

Das Leiden Unschuldiger

Der Legenda Aurea nach flüchtete Blasius vor Kaiser Diokletian in eine Höhle, wo sich die Tiere des Waldes um ihn scharten, um ihn zu beschützen und zu nähren. Er wiederum heilte kranke Tiere und segnete sie. Als Sankt Blasius dem Ruf eines Fürsten in die Stadt folgte und sich weigerte, dessen Götter anzuerkennen, erlitt er ein äußerst grausames Martyrium. Mit ihm wurden auch sieben fromme Frauen und zwei kleine Kinder getötet.

Die Legenda Aurea

Jacobus de Voragine

Früher Bestseller

Die Legenda Aurea (goldene Legende) entstand um 1264. Verfasser war der Dominikaner Jacobus de Voragine. Sie umfasste ursprünglich 182 Traktate, die sich vor allem mit den Lebensgeschichten der Heiligen befasste. Jacobus, von 1292 bis zu seinem Tod 1298 Erzbischof von Genua, schuf damit das bekannteste und weitest verbreitete geistlich Volksbuch des Mittelalters. Es erfreute sich rasch großer Beliebtheit. Schon 1282 war eine Handschrift in Deutschland nachweisbar. Die erste Druckausgabe entstand um 1470. Besonders die in der Kunst (Malerei und Skulptur) verwendeten Heiligenattribute, anhand derer der Gläubige die Bildhandlung verstehen konnten, leiten sich vorrangig aus der Legenda aurea ab.

Ein großer Pestheiliger

Bruderschaften

Gelebte Nächstenliebe

Der heilige Sebastian gehört zu den Pestheiligen. Diese wurden in den Zeiten der Pest oder ähnlicher Epidemien um Bewahrung oder Heilung angerufen. Im Mittelalter entstanden seit dem 12. Jh. Bruderschaften, die sich hinsichtlich ihrer Zielsetzungen und Aufgaben unterschieden. Unter dem Patronat des Hl. Sebastian stand die Sebastiansbruderschaft. Sie half vor allem bei Pestepidemien. Die Pest war im zu dieser Zeit fast immer todbringend und katastrophal für die Gesellschaft. Die Sebastiansbrüder halfen, während der Seuche Kranke in Hospize zu bringen, zu bestatten und übernahmen vor allem das Totengedenken.

Der schwarze Tod

Eine schlimme Seuche

Gefährliche Bakterien

Zwischen 1346 und 1353 starben in Europa ca. 25 Millionen Menschen an der Pest, Dies entspricht einem Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung. Über Handelswege gelangte die Seuche von Asien nach Messina. Von dort verbreitete sie sich auf dem Festland. Die Menschen des Mittelalters wussten nicht, woher die Pest kam, vermuteten aber, schlechte Winde, eine ungünstige Konstellation von Mars, Jupiter und Saturn oder verseuchtes Wasser seien der Grund. Erst 1894 wurde der Pesterreger entdeckt. Heute weiß man, dass es sich bei der Pest um eine bakterielle Infektionskrankheit handelt, die im Mittelalter vor allem durch Ratten auf Flöhe und Menschen übertragen wurde.

Die Quarantäne

40 Tage isoliert

Schutz vor Seuchen

Der Begriff „Quarantäne“ leitet sich aus dem Italienischen von der Zahl „quaranta“ für „vierzig“ ab. Erstmals beschloss die Regierung der Republik Ragusa im Juli 1377, dass sich vor dem Betreten der Stadt alle ankommenden Reisenden und Kaufleute dreißig, später dann vierzig Tage lang isoliert in eigens dafür errichteten Lazaretten aufhalten mussten. Einer anderen Quelle zufolge war es die Stadt Venedig, die erstmals die Quarantäne einführte. Bis heute schützen sich Gesellschaften mit der Quarantäne vor ansteckenden Krankheiten. Die Zeitdauer der Quarantäne richtet sich dabei nach der Inkubationszeit der vermuteten Krankheit.

Edle Materialien

im kirchlichen Gebrauch

Wunderschön anzusehen

Kirchenrechtlich ist festgelegt, dass die Gegenstände im rituellen Gebrauch, wie Kelche und Patenen (Hostienschalen), Altarleuchter und Vortragekreuze, aus edlen Materialien, wie Gold und Silber, aber auch Bronze und vergoldetem Metall gefertigt sein müssen. Seit Mitte des 12. Jahrhundert verwendete man Grubenschmelzemail für die bildhafte Verzierung des liturgischen Gerätes, wie auch bei unserem Prozessionskreuz. Von den kräftigen, bunten und leuchtenden Farben im goldenen Kontrast ging ein großer Reiz auf den Betrachter aus.

Das Alte Testamtent

Das neue Testament

Tradition des Opferlamms

Ereignisse des Alten Testaments wurden bereits in den Bibelkommentaren der vier Kirchenväter als Hinweise und Vorzeichen auf das Heilsgeschehen im Neuen Testament interpretiert. So auch das Agnus Dei, das Lamm Gottes. Im Neuen Testament Symbol für den Opfertod Jesu Christi, steht es in der Opfertier-Tradition des Alten Testaments. Dort wird auf das Pessach-Lamm verwiesen, welches in der Nacht des Auszugs der Israeliten aus Ägypten geopfert wurde. Als Osterlamm, gekennzeichnet mit der Siegesfahne, wie auf unserem Prozessionskreuz zu sehen, steht es symbolisch für die Auferstehung Christi.

 

Die Kirchenväter

egregii doctores ecclesiae

Pabst Bonifaz VIII.

Zu den vier großen abendländischen Kirchenvätern gehören der Hl. Augustinus, 394 Bischof von Aleppo, der Hl. Gregor, 590 zum Papst ernannt und Gregor der Große genannt, der Hl. Hieronymus, der im 4. Jh. als Einsiedler und Kardinal lebte, sowie der Hl. Ambrosius, ab 374 Bischof von Mailand. Ihre Anerkennung als „egregii doctores ecclesiae“, als „Kirchenväter“, erfolgte 1295 durch Papst Bonifaz VIII.

Hoffnungsträger Kind

Der göttliche Knabe

Erobert die Herzen

Symbolhaft steht ein Kind für die menschliche Zukunft. Erst recht, wenn es sich hierbei um den kleinen Jesus handelt, lange Zeit das einzige Kleinkind, das die christliche Kunstgeschichte kennt. Der göttliche Knabe in der Krippe oder auf dem Arm der Gottesmutter Maria hat die Art der Kinderdarstellung bis ins 15. Jahrhundert hinein stark geprägt. In der Renaissance kamen antike Bildeinflüsse hinzu, das Christuskind wurde lieblicher, spielerischer, wie wir es auch an dem kleinen portugiesischen, an Amor erinnernden göttlichen Kind erkennen können.

Das Venedig Portugals

Fahren auf dem Wasser

Moliceiros-Boote

Aveiro wird wegen seiner vielen Wasserstraßen auch das “Venedig Portugals” genannt. Auf ihnen fahren die farbenfrohen “moliceiros”-Boote und verleihen der Stadt eine ganz eigene Atmosphäre. Die drei größten Kanäle heißen Canal Central der Canal de São Roque, Canal das Pirâmides und Canal dos Santos Mârtires.

Prinzessin Johanna

Ein Leben für Gott

Vorbild in Portugal

In Aveiro, der Stadt, in der der kleine schlafende Christusknabe entstand, und auch in ganz Portugal verehrt man noch heute die selige Johanna von Portugal (1452-1490). Sie war Tochter des portugiesischen Königs Alfons V. und Isabel von Portugal. Noch in der Wiege zur Thronerbin ausgerufen, verlor sie ihren Thronanspruch nach der Geburt ihres Bruders Johann II. 1475 trat sie in den Dominikanerorden in Aveiro ein, wo sie 1490 verstarb. Johanna wurde 1693 von Papst Innozenz XII. seliggesprochen.

Devotionalien

Heiligenbilder

Hilfe bei der Andacht

Figuren wie unser Hl. Sebastian dienen der religiösen Verehrung und werden als „Devotionalie“ bezeichnet. Der Begriff hat seine Wurzel im lateinischen “devotio“ und bedeutet Andacht oder Hingabe. Zu den Devotionalien rechnet man also alle jene Gegenstände, die der privaten Andacht dienen, wie z.B. auch Kruzifixe und Rosenkränze. Der Hl. Sebastian war immer schon ein sehr beliebter Heiliger, er ist der Schutzheilige gegen Pest und Seuchen.

Friedensfest

Erstmals 1650

Jedes Jahr am 8. August in Augsburg

1650 feierten die Augsburger Protestanten zum ersten Mal das Augsburger Hohe Friedensfest – in Erinnerung an den 8. August 1629. Damals wurde ihnen die Ausübung ihres Glaubens untersagt, entgegen des Vertrags, der 1555 durch Ferdinand I. und die Reichsstände auf dem Reichstag in Augsburg geschlossen worden war. Auch heute noch findet das mittlerweile interreligiöse Fest jedes Jahr am 8. August statt, geehrt durch einen Feiertag, der einzig im Augsburger Stadtgebiet gilt.

August Sturm

Eine katholische Zeitung

im protestantischen Augsburg

1686 gründete der aus Nördlingen stammende Buchdrucker August Sturm im überwiegend protestantischen Augsburg eine Wochenzeitung mit katholischer Prägung. Die „Augspurgische Ordinari-Postzeitung“ war das Gegenstück zu der nahezu titelgleichen „Wochentlich-Ordinari-Post-Zeitung von Jakob. Nach der Übernahme durch Joseph Anton Moy ab 1766 zur führenden Zeitung im süddeutsch-österreichischen Raum. Im frühen 19. Jahrhundert erlangte die Zeitung eine Auflagenquote von 12.000 Exemplaren.

Heinrich VII.

Die Tudor-Ära

Englands Blütezeit

Als „Tudor-Ära“ bezeichnet man die Jahre zwischen 1485 und 1603. Der erste Monarch des „House of Tudor“ war Heinrich VII. Er übernahm ein Land, das, von der Pest und Hungersnöten geschwächt, nur mehr zwei Millionen Einwohner zählte. Heinrichs Politik zielte auf Frieden und wirtschaftlichen Wohlstand ab. England erstarkte wirtschaftlich und außenpolitisch. Eine positive Grundstimmung in der Bevölkerung untermauerte de innenpolitische Stabilität. Um 1600  war die Bevölkerung auf vier Millionen gewachsen.

Buntes Mittelalter

Kunst des Farbauftrages

Cennino Cennini

Der Künstler des Alabasterreliefs bemalte die Szene sorgfältig, wir können Reste von goldener, roter und schwarzer Farbe erkennen. Tatsächlich war die Kunst des Farbauftrags zu dieser Zeit eine Wissenschaft für sich, die besonders in der Malerei eine große Rolle spielte. Berühmt ist das um 1400 entstandene Werk von Cennino Cennini, das „Libro dell’arte o trattato della pittura“. Das zunächst durch Abschriften verbreitete Handbuch war das einflussreichste Lehrbuch über die Malerei des Spätmittelalters.

Die göttliche Trinität

Der Heilige Geist

Eine weiße Taube

Der Heilige Geist ist im Christentum die dritte Person der göttlichen Trinität. Er wird oft als Taube, Feuer oder Wind dargestellt. Die Darstellung des unsichtbaren Heiligen Geistes war für die Künstler in den ersten Jahrhunderten nach Christus nicht einfach. Schließlich wählten sie die Taube als Sinnbild und übernahmen damit gleichzeitig die antike Bildtradition, wonach der Vogel für Sanftmut und Liebe steht: Man glaubte, die Taube habe keine Gallenblase und sei daher frei von allem Bitteren und Bösen.

Alonso Cano

Maler, Bildhauer und Architekt

Die „Escuela granadina de pintura“

Der Künstler, der als Maler, Bildhauer und Architekt tätig war, gilt als Begründer der der „Escuela granadina de pintura“, der Granadinischen Malerei. Bereits im Alter von 24 Jahren wurde Cano Oberaufseher über alle königlichen Gebäude und Hofmaler Philipp IV. in Madrid. Cano war nie in Italien gewesen, hatte sich aber trotzdem nach antiken Stilmustern gebildet, die er auf seine durchweg religiösen Gemälde übertrug.

Sakraments-Bruderschaften

Brüder im Glauben

Das "Allerheiligste" schützen

Sakramentsbruderschaften, also organisierte christliche Gemeinschaften von Männern, die sich untereinander „Brüder“ nennen, wurden ab dem Mittelalter verstärkt gegründet. Zu den ursprünglichen Aufgaben einer Sakramentsbruderschaft gehört der Schutz des „Allerheiligsten“ bei Prozessionen durch die Straßen der Stadt. Die Bruderschaften hatten aber auch eigene kirchliche Rechte, wie das Feiern von Gottesdiensten. Auch gewährten sie Pilgern, Ortsfremden, Schutzlosen oder Kranken Hilfeleistungen in eigenen Hospizen und Krankenhäusern. Die Bruderschaft des Heiligen Sakramentes in Sevilla gehörte zur Kirche El Salvador.

Semana Santa in Sevilla

Prozession vor Ostern

Auftritt für das Christuskind

Es ist denkbar, dass das kleine Christuskind während der Prozessionen in der Semana Santa, von Palmsonntag bis Karfreitag, in Sevilla seinen Auftritt hatte. Start und Endpunkt der Prozession ist immer das Viertel, in dem die Bruderschaft ihren Sitz hat. Die „entrada“, das Eintreten der Bruderschaft in die von Kerzenlicht erleuchtete Kirche nach dem Ende der Prozession ist dabei ein besonderer Höhepunkt.

Terrakotta

Gebrannte Erde

Kunst aus Ton

Terrakotta bedeutet eigentlich „gebrannte Erde“ und ist die Bezeichnung für unglasierte, keramische Produkte. Im Gegensatz zu anderen Keramikarten erfordert Terrakotta nur einen einzigen Brand. In der Antike erlebte Terrakotta die erste große Blütezeit während der minoischen Kultur auf Kreta um 2000 vor Christus sowie später in Griechenland und im Italien der Renaissance, dort vor allem in der Werkstatt der della Robbia.

Das weiße Gold

Alchimie in Dresden

Porzellan in Meißen

Porzellan war ursprünglich ein Luxusgut, das nur als chinesische Importware zu beziehen war. Erst Ehrenfried Walther von Tschirnhaus (1651-1708) und Johann Friedrich Böttger (1682-1719) gelang 1710 in Dresden die Herstellung von Hartporzellan, dem „weißen Gold“. Das Produktionsverfahren ließ sich nicht geheim halten und so entstanden im 18. Jahrhundert in Europa fast 60 Manufakturen. Diese gehörten ausschließlich den regierenden Fürsten und waren an sie gebunden: Zum einen diente der Betrieb, oft im Schloss integriert, als Einnahmequelle, zum anderen der luxuriösen Ausstattung des Hofes.

Dresden und Neapel

Porzellan in Capodimonte

Eine neue königliche Marke

Maria Amalia Christina von Sachsen (1724-1760), Enkelin August des Starken, heiratete 1738 Karl III. von Bourbon, König von Neapel und Sizilien (1716-1788). Sicherlich hängt die Gründung von Capodimonte mit dieser Heirat zusammen, bestand doch die von Maria Amalias Vater gegründete Manufaktur in Meissen seit 1710. Als Malereimeister berief man Giovanni Caselli und seinen Schwager, Giuseppe Gricci, als Modelleur. Nach der Krönung Karl III. zum König von Spanien 1759 zog die gesamte Manufaktur inklusive Arbeitern und Produktionsanlage nach Buen Retiro bei Madrid. Marke war die Bourbonen-Linie in Unterglasurblau.

Wer fand das Kreuz Christi?

Kaiserin Helena im Hl. Land

Das Geheimnis des Venustempels

Die Legende der Kreuzfindung durch Kaisern Helena ist seit Ende des 4. Jahrhunderts belegt. Demnach reiste Helena (248/50-329), Mutter des römischen Kaisers Konstantin, um 325 ins Heilige Land. Sie veranlasste dort unter einem römischen Tempel der Venus Grabungen, bei denen Reste des Kreuzes Christi sowie das Heilige Grab selbst gefunden wurden. Helena ließ das Kreuz in drei Teile teilen und übergab diese an Jerusalem, Konstantinopel und Rom. Über dem Grab und der Kreuzauffindungsstelle beauftragten Helena und ihr Sohn Kaiser Konstantin den Bau einer Basilika, die sogenannte Grabeskirche (335 geweiht). Sie gehört zu den größten Heiligtümern des Christentums.

Das Kreuz

Seine Entwicklung

Heute wichtigstes Symbol

Das ursprüngliche Symbol des frühen Christentums war nicht das Kreuz, sondern das Christusmonogramm XP. Erst im 5. Jahrhundert trat dieses zurück und das Kreuz wurde zum wichtigsten Symbol des Christentums. Das heute übliche Hochkreuz ist ab dem 4. Jahrhundert, zur Zeit der Regierung Kaiser Konstantins (zwischen 270 und 288 – 337), als Symbol nachweisbar.

Das Christusbild im Wandel

Starker König

Eine Krone statt Dornen

In der Romanik erscheint der gekreuzigte Christus erhaben als Herrscher und Richter. Statt einer Dornenkrone trägt er eine Königskrone oder aber eine Gloriole (Heiligenschein). Der Gottessohn ist Sieger über den Tod. Seine Füße stehen parallel nebeneinander und nicht gekreuzt. Das Lendentuch ist stark stilisiert und fällt in kunstvoll drapierten Falten (sog. „Viernageltypus).
Der Aspekt des Leides gewinnt in der Gotik an Bedeutung, Christus verkörpert das Leid der Welt, das Martyrium des Gottessohnes steht im Mittelpunkt und findet seinen künstlerischen Höhepunkt im Barock

1378

1001 Nacht in Granada

Schön wie das Paradies

Unser Teller kommt aus der Kultur der Mauren, die mehrere Jahrhunderte lang über weite Teile der iberischen Halbinsel und Nordafrikas herrschten. Das maurische Emirat unter den Nasriden ist für seine architektonisch-künstlerischen Meisterleistungen bekannt. Zu diesem Herrschergeschlecht gehört Mohammed V. (1338 -1391), der 1378 in der Stadtburg von Granada, der „Alhambra“, den sogenannten Löwenhof mit einer umlaufenden Säulengalerie errichten läßt. Unter diesem Emir steigt Granada zum Zentrum der islamischen Kultur im Westen auf.

Mittelalter

Im Mittelmeer

Majolica ist eine Insel

Für die Spanier hieß die Insel Mallorca, aber die Italiener nannten sie im Mittelalter Majolica. Und so bezeichnete man in Italien auch die aus Spanien über Mallorca exportierte maurische Lüsterkeramik, die sich größter Beliebtheit erfreute. Als man in Italien die Technik der Zinnglasur und den darübergelegten Scharffeuerfarben zu beherrschen lernte, übertrug man den Namen der Exportware auf die heimischen Produkte.

12. Jahrhundert

Wissen im Mittelalter

Geistige „Köstlichkeiten“

Herrad von Hohenburg (1125/1130-1195), war Äbtissin im Kloster Hohenburg auf dem Odilienberg, Elsaß. Sie hat eine bedeutende Enzyklopädie geschrieben, den „Hortus Delicarum (Garten der Köstlichkeiten)“, der das theologische und weltliche Wissen des Hochmittelalters umfasst. Dort findet sich die älteste bekannte bildliche Darstellung der Mondsichelmadonna.

1400

1400 Geburt eines Genies

Der Erfinder des Buchdrucks

Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg (Mainz um 1400 – 1468), wird in Mainz geboren. Die von ihm entwickelte Druckerpresse und gleichzeitige Verwendung von beweglichen Lettern löst um 1450 die herkömmlichen arbeitsintensiven und zeitaufwendigen Methoden der Buchproduktion ab. Erstmals ist die maschinelle Massenproduktion von Büchern möglich. Die zwischen 1452 und 1454 entstandene „Gutenberg-Bibel“ gilt als Gutenbergs Hauptwerk. Eine weitere, ebenfalls im 15. Jahrhundert entwickelte Drucktechnik ist der Kupferstich. Dieser dient in erster Linie zur Verbreitung von Abbildern. Unsere Madonna ist eine Folge dieser Erfindung, geht sie doch auf einen Kupferstich des Meisters E.S. zurück.

1727

Francis van Bossuit

Die erste Künstlermonographie der Kunstgeschichte

Francis van Bossuit, der 1692 in Amsterdam stirbt, wird bereits 1727 vor Raphael, Michelangelo oder Bernini durch eine Künstlermonographie geehrt, sein Werk dadurch weitgehend gesichert. Auf Grundlage der Zeichnungen vieler Werke van Bossuits durch Barend Graat (1628-1700) hatte der Schwiegersohn des Bildhauers, Mattijs Pool (1676-1740), Kupferstiche angefertigt und diese unter dem Titel „Cabinet de l´Art de Sculpture par le Fameux Sculpteur Francis van Bossuit“ veröffentlicht. Die neuartige Publikation war sehr erfolgreich, da das Werk van Bossuits im späten 17. und frühen 18. Jahrhundert in den Niederlanden hochgeschätzt war.

17. Jahrhundert

Kaiser Philipp IV.

Der „König der Welt“

Als Francis van Bossuit 1635 in Brüssel geboren wird, regiert Philipp IV., genannt „Der Große“ oder „König der Welt“ über die Burgundischen Niederlande. Er gilt als der letzte spanische Herrscher, der eine Großmachtpolitik ausübt. Philipp IV. dilettiert als Maler und Dichter, ist Förderer der Künste und ernennt Diego Velazquez als Hofmaler. Dieser hat den Monarchen oft portraitiert.

Das Weiße Gold

Das Weiße Gold

Die geringen Vorkommen und die gefährlichen, langen Transportwege machen Elfenbein zu einem äußerst kostbaren Material; es besitzt eine ähnliche Wertschätzung wie Gold. Elfenbein ist bis ins späte 18. Jahrhundert ein Werkstoff für sakrale und profane Kunstobjekte höchster Qualität. Erst durch die Kolonialisierung des afrikanischen und des indischen Kontinents sowie die Vereinfachung der Jagd ändert sich dieser Zustand. Ende des 19. Jahrhunderts gelangen jährlich über 800 Tonnen Elfenbein nach Europa, das Material wird inflationär eingesetzt und der Elefant zu einem in seiner Existenz bedrohten Tier.

1633

Die Welt im Chaos

Geburt in Konstanz

1633, mitten im Dreißigjährigen Krieg, erblickt Christoph Daniel Schenck in Konstanz das Licht der Welt. Im selben Jahr wird die Stadt vergeblich von den schwedischen Truppen belagert. Konstanz bleibt verschont, ein Glück für den zukünftigen Künstler.

1643

L´Etat c´est moi

Ludwig XIV wird König Frankreichs

Während in der Heimat von Christoph Daniel Schenck der Dreißigjährige Krieg wütet, besteigt Ludwig XIV. mit nur vier Jahren den französischen Thron. Unter ihm baute Frankreich seine Großmachtstellung in Europa aus. Der „Sonnenkönig“ förderte Künste und Wissenschaften. Die französische Hofkultur erstrahlte über ihre Landesgrenzen hinaus und war im Zeitalter des Barock Vorbild für alle Fürstenhöfe.

1960

Eltern und Kind

Eltern und Kind

Der französische Soziologe Philippe Ariès vertritt in seinem 1960 erschienenen bahnbrechenden Werk „Geschichte der Kindheit“ die These, dass ein zwischen Eltern und Kindern bestehender liebevoller Umgang keineswegs angeboren, sondern Ergebnis einer „Gefühlskultur“ ist, die sich erst im 16. und 17. Jahrhundert herausgebildet hat. Ariès zieht hierzu auch Darstellungen in der bildenden Kunst heran und zeigt einen Wandel auf. Die so anrührende Darstellung von Joseph und Jesuskind passt zeitlich genau und belegt Ariès` Behauptung eindrucksvoll.

467 v.Chr.

Tragödien- dichter in Athen

Satyrspiel

Pratina von Phleius (Pratinas, gest. wohl 467 v. Chr.), einer der frühen Tragödiendichter Athens, gilt als Begründer des Satyrspieles. Es ist eine Art Komödie, in der märchenhafte und sinnliche Themen die Handlung bestimmen. Satyrn, mythologische Figuren, halb Mensch, halb Tier, die sich um den Gott Dionysos scharen, stehen im Mittelpunkt des Geschehens. Das beliebte Satyrspiel stand im Gegensatz zur Tragödie und diente der Erheiterung und Zerstreuung der Bürger von Athen. Der Satyr begleitete die Griechen der Antike auch im Alltag: Davon zeugt der Aulos (Blasinstrument) spielende Satyr, den der attische Vasenmaler Epiktetos (520–500 v. Chr.) als Motiv wählte.

Jederzeit

Bronze

Künstlerischer Werkstoff

Bereits in der Antike diente Bronze als künstlerisches Medium. Dabei handelt es sich um eine Legierung aus Kupfer und Zinn, die in eine Form gegossen wird. Nach dem Abkühlprozess glättet der Künstler die Oberfläche und bearbeitet diese weiter. Haltbarkeit, Schönheit der Patina und hohe Wertigkeit des Metalls sind einige Gründe für seine Beliebtheit. Leider ist die „Recycelbarkeit des Materials ein großer Nachteil: Aus vielen wunderschönen Bronzen wurden in Kriegszeiten Kanonen gegossen. Andere schmolz man ein, um mit dem Material neue Figuren zu gießen.

1453

Antikes Griechenland

Verloren im Lauf der Geschichte

Die Kunst des antiken Griechenlandes war der Renaissance ein großes Vorbild, politisch hatten Attika und die Inseln der Ägäis zu dieser Zeit jedoch die Seiten wechseln müssen: Nach der Eroberung Konstantinopels 1453 durch die Osmanen gehörten weite Teile des griechischen Sprachraums nun zum Reich des Sultans. Auch die Seemacht Venedig vermochte den Eroberern wenig entgegenzusetzen und verlor nach und nach seine Vormachtstellung im Mittelmeerraum