Albarello

Spanien (Paterna oder Manises), 1435-1460
Zinnglasierter Ton mit kobaltblauer und kupferfarbener Lüsterbemalung
Höhe: 29 cm

Provenienz
George und Florence Blumenthal, New York.
Schenkung George Blumenthal an das Metropolitan
Museum of Art, 1941 (41.190.112).
Im Juni 2007 zusammen mit einem mittelalterlichen
Tabernakel Flügel aus Elfenbein, Frankreich um 1300,
in die Sammlung Paul W. Doll jr., im Tausch für ein Marmor Tabernakel 14. Jahrhundert, Frankreich, aus der Sammlung Doll. Sammlung Paul W. Doll jr., New York, bis 2020

Dieser dreifarbige Albarello ist im späten 14. bzw. frühen
15. Jahrhundert wohl in einer Töpferwerkstatt in Manises oder Paterna entstanden.

Die ersten Lüsterkeramiken entstanden im frühen 9. Jahrhundert unter den Abassiden im heutigen Irak, wobei wohl ursprünglich schon Glashersteller die Technik der Lüsterkeramik im 8. Jahrhundert entwickelten. Durch die Migration von Töpferfamilien verbreitete sich die geheime Technik in Ägypten, darüber hinaus in Syrien und Persien. Lüsterkeramik wurde ab dem 12. Jahrhundert im muslimischen Teil der spanischen Halbinsel produziert. Berühmt sind u.a. die Werkstätten Manises und Paterna bei Valencia.

Die Brenntechnik ist kompliziert: Der Scherben muss zweimal gebrannt werden. Für den ersten Brand bestreicht der Töpfer der Ton mit einer Zinnglasur, vor dem zweiten Brand bemalt er die Form mit einer Paste, bestehend aus Silber- und Kupferverbindungen, in Traubensaft oder Essig gelöst. Der zweite, entscheidende Brand muss zudem in einem speziellen Brennofen durchgeführt werden. Durch eine Sauerstoffreduktion und eine verringerte Temperatur auf ca. 650 Grand verändern sich die metallischen Farbverbindungen: Es entsteht ein glänzender Film auf der keramischen Oberfläche. Nach dem Feuerungsprozess wird die erkaltete Keramik zudem mit befeuchteter Erde poliert. Ist der Brand gelungen, erinnert die Keramik an kostbares Edelmetall und hat einen gold-irisierenden Glanz.

1378

1001 Nacht in Granada. Schön, wie das Paradies

Unser Albarello kommt aus der Kultur der Mauren, die mehrere Jahrhunderte lang über weite Teile der iberischen Halbinsel und Nordafrikas herrschten. Das maurische Emirat unter den Nasriden ist für seine architektonisch-künstlerischen Meisterleistungen bekannt. Zu diesem Herrschergeschlecht gehört Mohammed V. (1338 -1391), der 1378 in der Stadtburg von Granada, der „Alhambra“, den sogenannten Löwenhof mit einer umlaufenden Säulengalerie errichten läßt. Unter diesem Emir steigt Granada zum Zentrum der islamischen Kultur im Westen auf.

Im Mittelmeer

Majolica ist eine Insel

Für die Spanier hieß die Insel Mallorca, aber die Italiener nannten sie im Mittelalter Majolica. Und so bezeichnete man in Italien auch die aus Spanien über Mallorca exportierte maurische Lüsterkeramik, die sich größter Beliebtheit erfreute. Als man in Italien die Technik der Zinnglasur und den darübergelegten Scharffeuerfarben zu beherrschen lernte, übertrug man den Namen der Exportware auf die heimischen Produkte.

Reisen im Mittelalter

Menschen in Bewegung

Nicht nur heute reisen Menschen, auch in früheren Zeiten war Mobilität Bestandteil des menschlichen Lebens. Motive für Reisen konnten religiöser, herrschaftlicher oder auch wirtschaftlicher Art, wie im Falle der muslimischen Töpferfamilien, sein. Die meisten Menschen waren zu Fuß unterwegs. Fortbewegungsmittel waren Saumtiere, Wagen, Sänften, Schiffe und Flöße. Die meisten Reisenden brachten in einer Woche nicht mehr als 100 Kilometer hinter sich. Bei jedem Schritt spürten sie das Gewicht des Körpers, oft noch das des Gepäcks. Eilboten und Segelschiffe (bei günstigem Wind) waren für damalige Begriffe wesentlich schneller. Sie konnten 150 bis 200 Kilometer pro Tag überwinden. Marco Polo berichtet von Pferdestafetten bei den Mongolen, die bis zu 375 km an einem Tag zurücklegten. Unter „Stafetten“ oder auch „Estafetten“ versteht man eine Art historischen Kurierdienst, der Briefe oder Waren in schnellstem Galopp überbringen musste. Beruhigend: Es ritt an einem Tag jedoch nicht immer derselbe: An festen Stationen fand ein Reiter- und Pferdewechsel statt.

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