Christoph Daniel Schenck

Konstanz 1635 – 1691, zugeschrieben

Joseph mit Christuskind

Lindenholz, 15,5 x 14 x 5 cm

Gerade in dem vorliegenden Werk versteht es Schenck auf eindrückliche Art und Weise, den Betrachter zu rühren und die innige Beziehung zwischen Vater und Sohn sichtbar zu machen. Das Thema und die sehr emotionale Umsetzung passen zur leidenschaftlichen Frömmigkeit in Konstanz und Umgebung in der zweiten Jahrhunderthälfte. Sie sind motivisch gut vergleichbar mit einem Relief in den Kunstsammlungen des Klosters Einsiedeln, das den Hl. Antonius mit dem Jesuskind zeigt.

Nachdem Christoph Daniel Schenck lange Zeit kaum gewürdigt wurde, gilt er heute als bedeutender Bildhauer der Bodenseeregion in der Generation nach den Künstlern der Familie Zürn und vor Joseph Anton Feuchtmayer. Ab 1675 ist er in Konstanz nachweisbar, wo er eine Werkstatt führte. Zu seinen Auftraggebern zählten der Fürstbischof von Konstanz und der Fürstabt von Einsiedeln, dessen Kloster damals zu den wichtigsten Wallfahrtsorten Europas zählte. Schenck fertigte zahlreiche Altarfiguren, Kleinskulpturen und auch Kunstkammerobjekte aus Elfenbein und Buchsbaum.

1633

DIE WELT IM CHAOS, GEBURT IN KONSTANZ

1633, mitten im Dreißigjährigen Krieg, erblickt Christoph Daniel Schenck in Konstanz das Licht der Welt. Im selben Jahr wird die Stadt vergeblich von den schwedischen Truppen belagert. Konstanz bleibt verschont, ein Glück für den zukünftigen Künstler.

1643

L´ETAT C´EST MOI, LUDWIG XIV. WIRD KÖNIG VON FRANKREICH

Während in der Heimat von Christoph Daniel Schenck der Dreißigjährige Krieg wütet, besteigt Ludwig XIV. mit nur vier Jahren den französischen Thron. Unter ihm baut Frankreich seine Großmachtstellung in Europa aus. Der „Sonnenkönig“ fördert Künste und Wissenschaften. Die französische Hofkultur erstrahlt über ihre Landesgrenzen hinaus und ist im Zeitalter des Barock Vorbild für alle Fürstenhöfe.

1960

PHILIPPE ARIES, ELTERN UND KIND

Der französische Soziologe Philippe Ariès vertritt in seinem 1960 erschienenen bahnbrechenden Werk „Geschichte der Kindheit“ die These, dass ein zwischen Eltern und Kindern bestehender liebevoller Umgang keineswegs angeboren, sondern Ergebnis einer „Gefühlskultur“ ist, die sich erst im 16. und 17. Jahrhundert herausgebildet hat. Ariès zieht hierzu auch Darstellungen in der bildenden Kunst heran und zeigt einen Wandel auf. Die so anrührende Darstellung von Joseph und Jesuskind passt zeitlich genau und belegt Ariès Behauptung auf innige Weise.

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