Johannes der Täufer

Alabasterrelief, Höhe: 29,5 cm, Breite: 18 cm
England (Nottingham), spätes 15. Jahrhundert

Alabaster ist seit dem Alten Ägypten ein Werkstoff für Skulpturen. Die ästetischen Eigenschaften für diesen relativ weichen, Marmor-artigen Stein sind der warme Lüster und die durchscheinende Oberfläche. Er ist leicht zu bearbeiten, aber nicht wetterbeständig und deswegen nur für den Innenraum geeignet.

Im späten Mittelalter wurden große Alabastevorkommen in der Nähe von Nottingham, England, entdeckt. Zahlreiche Werkstätten enstanden, wo die sogenannten ‘alabastermen’ Heiligenfiguren, Altarstücke und Grabdekorationen für die große Nachfragen von Sakralkunst in England, aber auch für den Export fertigten.

Typisch für diese Arbeiten sind die vereinfachten und schematischen, trotzdem ausdrucksstarken Gesichtszüge der dargestellten Figuren. Auch entsprechen die Körper nicht ganz den natürlichen Maßstäben. Die polychrome Fassung der Alabasterarbeiten ist eine zusätzliche Besonderheit der Nottinghamer Schule. Ihre Produktion endete schlagartig mir der Reformation unter Heinrich VIII. im Jahre 1539.

Der Kopf Johannes des Täufer liegt auf einer Schale, über dem linken Auge ist die von Herodias zügefügte Wunde zu sehen. Zwei Engel halten eine kleine, in ein Tuch eingeschlagene Figur, die die Seele des Heiligen darstellt. Weiterhin begleiten die Heiligen Peter und Thomas, Katharina und Dorothea die Johannesschale.

Dieses Relief ist typisch für Arbeiten, die die „alabastermen“ für die private Andacht fertigten.

Heinrich VII.

DIE TUDOR-ÄRA, ENGLANDS BLÜTEZEIT

Als „Tudor-Ära“ bezeichnet man die Jahre zwischen 1485 und 1603. Der erste Monarch des „House of Tudor“ war Heinrich VII. Er übernahm ein Land, das, von der Pest und Hungersnöten geschwächt, nur mehr zwei Millionen Einwohner zählte. Heinrichs Politik zielte auf Frieden und wirtschaftlichen Wohlstand ab. England erstarkte wirtschaftlich und außenpolitisch. Eine positive Grundstimmung in der Bevölkerung untermauerte die innenpolitische Stabilität. Um 1600 war die Bevölkerung auf vier Millionen gewachsen.

Die göttliche Trinität

DER HEILIGE GEIST, EINE WEISSE TAUBE

Der Heilige Geist ist im Christentum die dritte Person der göttlichen Trinität. Er wird oft als Taube, Feuer oder Wind dargestellt. Die Darstellung des unsichtbaren Heiligen Geistes war für die Künstler in den ersten Jahrhunderten nach Christus nicht einfach. Schließlich wählten sie die Taube als Sinnbild und übernahmen damit gleichzeitig die antike Bildtradition, wonach der Vogel für Sanftmut und Liebe steht: Man glaubte, die Taube habe keine Gallenblase und sei daher frei von allem Bitteren und Bösen.

Buntes Mittelalter

KUNST DES FARBAUFTRAGES, CENNINO CENNINI

Der Künstler des Alabasterreliefs bemalte die Szene sorgfältig, wir können Reste von goldener, roter und schwarzer Farbe erkennen. Tatsächlich war die Kunst des Farbauftrags zu dieser Zeit eine Wissenschaft für sich, die besonders in der Malerei eine große Rolle spielte. Berühmt ist das um 1400 entstandene Werk von Cennino Cennini, das „Libro dell’arte o trattato della pittura“. Das zunächst durch Abschriften verbreitete Handbuch war das einflussreichste Lehrbuch über die Malerei des Spätmittelalters.

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