Prozessionsesel

Prozessionsesel mit beweglichem Kopf

Süditalien oder Spanien
18. Jahrhundert
Holz und Metall
Höhe: 145 cm, Breite: 175 cm

Wagen: Länge: 115 cm, Breite: 59 cm

Provenienz:
Deutsche Privatsammlung

Die Geschehnisse am Sonntag vor Christi Kreuzigung in Jerusalem schildert das Markus-Evangelium (Markus 11, 1-11): Auf einem Esel reitend trifft Jesus in der Stadt auf das jüdische Volk. Dieses begrüßt ihn mit Palmwedeln und huldigt ihm mit den Worten aus Psalm 118 als König: „Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn!“ Mit dem Einzug Jesu auf einem Esel erfüllte sich nämlich die Messias-Prophezeiung aus Sacharja 9, 9 im Alten Testament: „Du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.“

Schon früh gehört die Darstellung der Palmesel-Prozession zur christlichen Ikonographie.
Neben der Bildrezeption der Palmsonntag-Prozession entwickelte sich im frühen Mittelalter die Tradition, den Einzug Christi in Jerusalem unter Einbeziehung der Gemeinde als Schauspiel erfahrbar zu machen. Als Auftakt der Karwoche wurde der Palmsonntag zu einem großen Festtag. Kein anderes biblisches Geschehen wies der Gemeinde eine so große Rolle zu, wie der Einzug Jesu in Jerusalem.

Bis ins elfte Jahrhundert wurden bei den Prozessionen echte Esel mitgeführt, aber nach und nach durch Holztiere ersetzt, vielleicht, um die die strenge Prozessionsordnung berechenbarer zu machen. Auch die Christusfigur wurde durch eine Holzskulptur ersetzt. Die Palmesel waren oft lebensgroß. Auf ihnen saß der Gottessohn, oft mit dem Esel zu einer Einheit verbunden. Die rechte Hand war in der Regel zum Segensgruß erhoben, mit der linken hielt er die Zügel oder präsentierte die Heilige Schrift. Basis der Figurengruppe war ein mit Rädern versehenes Bodenbrett.

Wir datieren unseren Palmesel ins 18. Jahrhundert. Er ist wohl in Spanien oder Süditalien entstanden. Die fast lebensgroße Figur ist aus mehreren miteinander verleimten und geklammerten Werkblöcken zusammengesetzt, allein Kopf und Hals bestehen aus vier Stücken.

Das Tier zeichnet sich durch einen großen Naturalismus in der Darstellung aus. Der schwarze, schlanke Esel trägt rotes Zaumzeug und einen braunen Sattel. Seine Ohren sind aufmerksam nach oben gestreckt, der Mund geschlossen. Auffällig ist der Kopf, der in die hohle Brustpartie geschoben und dort durch eine Aufhängung befestigt ist. Dies ermöglicht die für einen Esel charakteristische nickende Kopfbewegung und steigert die Illusion von Realität.

Der Palmesel ist auf ein mit Rädern versehenes Brett montiert (spätere Ergänzung).
Die Fassung ist wohl nur in Teilen original, man besserte die Farboberfläche im Laufe der Jahrhunderte immer wieder aus. Wahrscheinlich saß während der Prozession eine, Christus darstellende, bekleidete Gliederpuppe auf dem Rücken des Esels.

In Deutschland sind viele Palmesel dem Bildersturm der Reformationszeit zum Opfer gefallen. Lutheraner dichteten Spottlieder auf den Prozessionsesel und nutzen ihn als Brennholz. Die Esel, die diese Zeit überstanden, verbannte das allgemeine Prozessionsverbot im Jahre 1785. Ein Teil der Palmesel gelangte zu dieser Zeit in Privatbesitz.

Heute sind noch ungefähr 160 Palmeselstatuen in Mitteleuropa erhalten, wenige Exemplare datieren aus der Frühzeit des Brauches (13./14.Jh.), die Mehrzahl aus dem 15. Jh. und später.

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