MEISTER I.C., JEAN DE COURT

LIMOGES 1530-1584

KANNE; GRISAILLE-EMAIL AUF KUPFER, H. 27 CM, UM 1580

Provenienz:
Sammlung Ernest Brummer
Amerikanische Privatsammlung

Die Wasserkanne ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Kunstfähigkeit der Limoges-Werkstätten im Bereich der Grisaille-Email-Technik.

Auf dem ovalen Gefäßkörper ist eine Fries-artige Bacchanal-Prozession zu sehen. Alle Beteiligten sind im Profil dargestellt. Die zentrale Position nimmt ein betrunkener Silen ein, der auf einem Esel reitet, gestützt von zwei Sartyren. Andere Sartyren spielen Instrumente oder tragen Speisen. Stilisierte Grasbüschel deuten Natur an. Der schwarze Bildhintergrund verstärkt den Eindruck der Bildtiefe.

Der obere Bereich der Kanne zeigt eine sehr geschäftige Komposition: Eine wilde Gruppe von Meermenschen (eventuell ein Triumph der Thetis oder Galatea) und anderen Fantasiegestalten tummelt sich in den Fluten.

Am Henkel verweist ein goldenes Monogramm auf den Künstler. Es handelt sich um Meister I.C. (Jean Court), einer der begabtesten Email-Maler des 16. Jahrhunderts aus Limoges,. Er ist vor allem für seine Grisaille-Technik bekannt. Arbeiten des Meisters I.C. befinden sich u.a. im Louvre, der Frick Collection und dem Walters Art Museum.

Vor allem der französische Königshof und der Adel beauftragten die Werkstätten in Limoges mit der Herstellung kostbarer Email-Gefäße. Beliebt waren figurative Szenen mit aufwendig verzierten Randbereichen. Sie dienten weniger als Alltagsgeräte, sondern repräsentierten der Status ihrer Besitzer. Gestalterische Vorbilder waren mythologische Szenen, oft inspiriert von deutscher, französischer oder italienischer Druckgraphik.

Die Grisaille-Technik bedient sich fast ausschließlich der schwarz-weiß Palette mit vielen Grauabstufungen und abgetönten Farben. In Limoges verwendet man sie ab der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Der Grund mag in der Vorlage von Druckgraphik liegen, aber auch der Tatsache geschuldet sein, dass diese Töne leichter zu brennen waren. Grisaille-Emaille entstand, indem man auf das Metall eine Schicht schwarzes Email einbrannte und dann mit mehreren Schichten weiß-pigmentiertem Email überzog, darauf die Zeichnung setzte und das Gefäß wieder einem Brand unterzog. Teilweise wurden auch “Farblichter” auf die Motive gestzt.