SCHENCK, CHRISTOPH DANIEL, zUGESCHR.

KONSTANZ 1633 – 1691

HEILIGER SEBASTIAN

OBSTHOLZRELIEF, FARBIG GEFASST, 15,5 x 11,3 CM, UM 1680, 

Provenienz:
Hofgalerie Hofstätter, Wien
Privatsammlung, Süddeutschland

HISTORIE
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Schenck

Der Hl. Sebastian ist auf höchst qualvolle Weise mit dem Rücken an einen Baum gebunden, beide Arme sind nach hinten überstreckt und mit Seilen an Aststümpfen fixiert. Die Armstellung zwingt den nur als Halbfigur sichtbaren Heiligen zu einer Zurückbiegung des nackten, durch Pfeile verletzten, blutenden Oberkörpers. Der Kopf ist seitlich nach hinten verdreht, die Augen himmelwärts gerichtet. Neben dem Martyrium, durch die expressiven Züge des Heiligen vermittelt, hebt Schenck durch eine Lockenpracht und rote Lippen die jugendliche Schönheit des jungen Mannes hervor.

Unter den gesicherten Werken Christoph Daniel Schenck gibt es einige Darstellungen des Hl. Sebastian. Die wichtigste ist sicherlich die sogenannte Stuttgarter Sebastianstatuette Die Elfenbeinfigur ist durch den Künstler signiert und datiert (auf dem Stein zu Füßen des Heiligen in geschwärzter Gravur C.D.Schenck/inv et sculpt./19. Nov. Anno 1675/ Constantiae). Auffällig virtuos sind Pathos, die am Laokoon geschulte Leidensmiene und das üppige Haar. Dahinter steckt die Absicht des Künstlers, den frommen Betrachter angesichts des gequälten Märtyrers, dessen Ziel die imitatio Christi ist, innerlich zu erschüttern. Den Gläubigen emotional zu bewegen und zum „wahren Glauben“ der katholischen Kirche zu führen, war ein äußerst wirksames künstlerisches Konzept der Gegenreformation.

Ein weiteres stilistisch verwandtes Beispiel für die Auseinandersetzung Schencks mit dem Hl. Sebastian ist ein Elfenbein-Medaillon, um 1675/80. Hier wird der Baum, an den der Heilige gebunden ist, in Versatzstücken angedeutet. Wieder ist der Rücken nach hinten durchgebogen, der schöne Kopf durch Locken gerahmt. Schenck hat den körperlichen Gesamteindruck hin zu einem stärkeren Naturalismus weiterentwickelt, so etwas in der Darstellung der gedrückten Gliedmaßen am Hals und Hüftbereich. Die körperliche Spannung des geschundenen Leibes überträgt sich auf den Betrachter.

Im Vergleich zu den beiden genannten Sebastian-Darstellungen ist unser Relief wohl das zeitlich zuletzt entstandene. Schenck verwendet hier die ihm zur Verfügung stehenden stilistischen Motive sehr souverän: Der Landschaft andeutende Märtyrerbaum, vor einer durch Nadelpunzenstiche gebrochenen blauen Hintergrundfläche ist zugleich Raumarchitektur der Bildfläche.

Der nach hinten pathetisch gestreckte Kopf geht wieder auf das Vorbild des Laokoon zurück, auf den Fritz Fischer und Andrea Tietze im Werkverzeichnis zu Christoph Daniel Schenck hingewiesen haben. Das Motiv wird hier jedoch noch einmal künstlerisch gesteigert.